Meine Reise ist zu Ende und ich bin seit dem Wochenende wieder in Bayern. Wiesbaden lag ebenfalls auf meiner Route und dort habe ich das Frauenmuseum besucht. Neben den sehenswerten aktuellen Ausstellungen – alle 4 Stockwerke! – bin ich dort auf „Matuschka“ gestoßen, Fotomodell und Künstlerin, die bereits 1993 Bilder von sich nach ihrer Brustkrebs-OP veröffentlichte und das Tabu des Themas aufbrach. Diese Fotos gingen um die Welt, nach dem sie auf der Titelseite der NewYorkTimes gezeigt wurden und seitdem zu den 100 Bildern zählen, die die Welt veränderten. Es sind Fotos, die viele Frauen für das Thema sensibilisiert und heute noch Gültigkeit haben, zumal Begriffe wie Schönheit und Makellosigkeit immer zu hinterfragen sind! Unter dem Titel „beauty out of damage“ findet sich eine umfangreiche website und dort u.a. ein zusammenfassender Kurzfilm.
Abschieds-Traum
Anfang?
Unvergessen
Soeben habe ich eine Kerze angezündet – für Marita! Vor sechs Jahren habe ich sie kennen gelernt, sie hat einen Workshop in München organisiert: „Brustkrebs – was können die ätherischen Öle für mein Wohlbefinden und für meine Genesung tun? Vorstellung von Studien, die die antitumoralen Eigenschaften von ätherischen Öle belegen konnten. Tipps für eine antioxidative Nahrungsergänzung mit ätherischen Ölen nicht nur bei Krebserkrankungen. Pflegetipps und Prophylaxemaßnahmen bei Bestrahlung, Lymphstauungen, infizierten Wunden. Und Wohlfühlrezepturen für die Seele, damit der Körper seine schwere Selbstheilungsarbeit besser schaffen kann. 15. März 2009 in München in Zusammenarbeit mit Mamazone, Info bei Marita Bestler.“ Den Workshop hielt Eliane Zimmermann und hier schloß sich ein Kreis für mich: schon länger war ich auf der Spur der ätherischen Öle unterwegs, doch bei Eliane habe ich erfahren, dass es durchaus genügend evaluierte Studien zum Thema Aromatherapie und Krebs gibt. Marita war für mich ein lebendes Beispiel! Nach einer sehr heftigen Brustkrebs-Diagnose 2004 und einer Überlebensprognose von wenigen Monaten hatte sie sich für einen weitgehend alternativen Therapieweg entschieden. Nur die Antihormontherapie machte sie mit, OP, Chemo und Bestrahlung lehnte sie ab um noch ein bißchen Lebensqualität zu haben für die kurze, noch verbleibenden Zeit. Es wurden elf Jahre daraus, mit Auf und Abs, aber immer mit viel Lebensfreude! Letztes Jahr habe ich sie beim Patientinnentag für Komplementärmedizin in München getroffen, wir haben uns sehr gut unterhalten und uns sehr amüsiert. Es ging ihr soweit gut, sie habe wieder einiges überstanden und müsse jetzt noch mit ihren Kräften haushalten, meinte sie vor einem Jahr – und jetzt die Lungenembolie. Irgendwann ist es tatsächlich zu viel! Marita machte mich auf die mamazonen aufmerksam, bei denen ich Mitglied bin. Diese schrieben gestern auf ihrer homepage in einem Nachruf auf Marita: „Elf Jahre lang hat sie immer wieder Mittel und Wege gefunden, den Metastasen in ihrem Körper Einhalt zu gebieten und ein selbstbestimmtes, aktives Leben zu führen – für uns alle ein Vorbild an (Über-) Lebenskunst.“ Marita hat mir viel mitgegeben für meinen Weg, ich werde sie nicht vergessen!
blaue Lüfte
„Frühling…
In dämmrigen Grüften
Träumte ich lang
Von Deinen Bäumen und blauen Lüften,
Von deinem Duft und Vogelsang…..“ Hermann Hesse
Mehr Fotos von meinen Spaziergängen gibt es auch auf meinem g+-blog
Genug der Worte
Psycho-Hygiene + Lebens-Lust
Krebs + Psychosomatik /Teil3: Fragen stellen Während ich hier am Schreiben bin, wurde mir ein Buch empfohlen in dem die Ärztin Lissa Rankin wissenschaftliche Beweise für die Selbstheilungskräfte zusammen getragen und ausgewertet hat. „Mind over Medicine – warum Gedanken oft stärker sind als Medizin“, so der Titel des Buches, das nun heute eingetroffen ist. In ihrer Laufbahn als Ärztin hat Dr. med. Lissa Rankin einiges erlebt, was sich mit westlicher Medizin nicht erklären lässt: Gehirn-Aneurysmen, die sich zurückbildeten oder Plaques, die aus Herzkranzgefäßen verschwanden – ohne ärztliches Zutun. Erkrankungen, die laut Schulmedizin nicht behandelbar sind. Für die Ärztin Grund genug, um das Phänomen der Selbstheilung wissenschaftlich zu untersuchen. Rankin fragte sich, „welche Kräfte dieses eigentlich Unmögliche möglich machen – und vor allem: wie?“ Dabei fand sie heraus, dass Heilung mehr mit einer positiven Erwartungshaltung zu tun hat, als bisher bekannt war. Gesundheitsfördernde Entspannungshormone werden freigesetzt, Enzyme können Reparaturprozesse anstoßen, Immunzellen vertilgen Entzündungserreger und freie Radikale werden unschädlich gemacht: „Unser Körper ist also bereit für ein Wunder. Wir müssen ’nur‘ die Voraussetzungen dafür schaffen, dass er seine heilenden Fähigkeiten entfalten kann.“ Dafür, so Rankin, müssen wir unsere Lebensweise überdenken: Bin ich einsam? Stresst mich mein Beruf zu sehr? Was ist mit Geldsorgen? Die Medizinerin rät, den Verstand öfter mal abzuschalten und auf den „inneren Leitstrahl“ zu hören. Für ihre Leser hat sie drei Ratschläge, die das Wohlbefinden steigern: Liebe und Mitgefühl, Dankbarkeit und Kreativität. Zudem: „Warmherzige, offene Beziehungen sowie ein reiches soziales Leben tragen unseren Körper.“ Und das kann die Gesundheit stärker beeinflussen als Ernährung oder Sport, weiß Rankin.( Quelle: Interview mit Lissa Rankin in der happinez-Ausgabe 2/2015).
Zum einen ist es ein Segen, dass nun genügend Studien vorliegen die Zusammenhänge zwischen einer Krebserkrankung, psychischen Faktoren und psychosoziale Hintergründe aufzeigen. Zum anderen birgt es die Gefahr, dass vor allem betroffene Menschen die ohnehin meist allein sind mit sich, ihren Gedanken und Ängsten, dann auch noch Schuldgefühle entwickeln die genau kontraindiziert sind. Fatal sind Hinweise und Ratschläge aus dem engen Umfeld die bewirken, dass der Erkrankte sich zurück zieht und isoliert, sich unverstanden fühlt. Heilungstheorien und Aussagen, dass über positives Denken der Krebs zu besiegen sei, rufen wiederum nur Stress und Ängste hervor. „Positives Denken“ auf Kommando funktioniert eben nicht! Das muß man lernen und da braucht es Unterstüttzung und Begleitung-ob von einem Psychoonkologen, Therapeuten oder einem Coach.
Rückblickend und mit allem, was ich selbst erfahren, erlebt, erprobt und zusätzlich gelesen und gelernt habe, hat mir geholfen was ich als „Psycho-Hygiene“ bezeichne und das ich immer wieder anwende:
• die Erfahrung des Lebendig-Seins erkennen, zulasse und wiederholen
• Somit den Sinn meines Lebens wert schätzen
• wo und von wem werde ich selbst wertgeschätzt? Wo, wann und von wem benutzt? ( beinhaltet manchmal Entscheidungen treffen und Konsequenzen ziehen)
• Glaubenssätze, Regeln und Dogmen entlarven, hinterfragen und aufbrechen
• Persönliche Stressoren erkennen und neue Strategien entwickeln
• Meditation und Yoga
• Mich bewusst und gut ernähren
• Mich viel in der Natur bewegen und meine Sinne schulen
• Mir Zeit nehmen in der Begegnung mit Mensch + Tier – auch mit meinen Kunden!
• Meiner Kreativität Raum geben
Herzensangelegenheit
Krebs + Psychosomatik /Teil2: Psyche-Gehirn-Körper
Bereits im Jahre 1988 startete die erste große Übersichtstudie (House, Landis + Umberson – „social relationship and health“), die bewies, dass Beziehungen zwischen Menschen wesentlich darüber entscheidet, ob diese krank werden oder gesund bleiben. Es wurde festgestellt, dass das statistische Krankheitsrisiko durch Vereinsamung höher ist als z.B. durch das Zigarettenrauchen. Die Brustkrebspatientinnen in den Randzonen von Chicago ( siehe Teil 1) sind dafür ein trauriger Beweis. „Psychische Einflüsse und seelische Erlebnisse werden vom Gehirn in bioelektrische Impulse und in die Freisetzung von Nerven-Botenstoffen umgewandelt. Das Gehirn macht aus dem psychischen also einen biologischen Vorgang“, beschreibt Prof. Joachim Bauer die Zusammenhänge („Das Gedächtnis des Körpers“, als Taschenbuch erhältlich!) Das Hirn sendet Signale aus, stimuliert Nervenzellen und zahlreiche Körperorgane und kann dort zu Veränderungen der Genaktivität führen. Unsere Gene sind also keine „Eigenbrödler“, sondern stehen in ständigem Kontakt zur Umwelt. Im Hinblick auf die Genregulation und die jeweils oft notwendige Anpassung auf Umwelteinflüsse und Situationen ist dies auch eine durchaus wichtige Fähigkeit des Körpers.
Da wir alle Individuen sind, hat auch jeder eine individuelle Stressreaktion entwickelt – und zwar aus zumTeil sehr frühen Erfahrungen. Jede neue Streßsituation wird neu bewertet – in Sekundenbruchteilen, unbewusst und nicht steuerbar, werden Alarmzentren im Gehirn ausgelöst. Dieses greift auf individuelle Vorerfahrungen zurück, die in Nervenzell-Netzwerken abgespeichert sind. Es ist nachgewiesen, dass frühe Erfahrungen von Stress später eine erhöhte Empfindlichkeit auf Stresserlebnisse zur Folge haben. Ein stabiles, geschütztes biologisches Streßsystem dagegen zeigen Menschen, die nach der Geburt die Erfahrung von sicherer Bindung zu Bezugspersonen machen konnten. Der Kreis schließt sich – wieder sind wir beim Thema Beziehung und Bindung. „Nenne irgendjemand irgendeine Krankheit, bei der psychosoziale Einflüsse nicht ihre Entstehung, den Verlauf und die Bewältigung beeinflussen können“ so Michael Wirsching, Professor an der Uni Freiburg. Er führt neben anhaltender, schwerwiegender Belastung als eine der Gründe für die Krankheitsanfälligkeit auch die Lebensumstände und Lebenssituation zu Krankheitsbeginn an – und zwar im Hinblick auf eine spezifische, subjektiv bedeutsame krankheitsauslösende Situation. „Wenn die Lebenssituation zu Krankheitsbeginn (nicht zum Zeitpunkt der Diagnose!) von subjektiv empfundener Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit bestimmt war, ist es desto wahrscheinlicher, dass psychosomatische Faktoren entscheidenden Anteil an der Erkrankung haben.“ ‚
Verluste und Trennungen, Beziehungsabbrüche und Zurückweisungen werden als psychischer und sozialer Einschnitt erlebt, erzeugen auf der Gefühlseben Trauer, Wut, Zorn oder Hilflosigkeit und der Körper reagiert mit Streßsymptomen wie Herzklopfen, Herzrasen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit.Der Focus ist dabei nicht nur auf Partnerschaft und Familie gerichtet sondern auch auf Bezugssysteme wie Freunde, Arbeitskollegen, ähnliche soziale Gruppen wie Sportgruppen oder den „Stammtisch“. Heftige, immer wieder kehrende oder anhaltende Gefühle behindern unser Immunsystem. Bei erhöhtem Cortisol-Wert im Blut nimmt die Anzahl und Funktionstüchtigkeit der Abwehrzellen deutlich ab – mit Zeitverzögerung. Aber – und das ist eine Chance! – es funktioniert auch umgekehrt! Momente der Lebensfreude und des Glücks, der Entspannung und Meditation bringen uns nicht nur in eine Balance sondern wirken sich positiv aufs Immunsystem aus.
Die logische Frage, die ich mir damals stellte, war also: was habe ich erlebt, circa vier bis fünf Jahre zuvor? Anhand der Biologie meines Tumors konnte ich in etwa davon ausgehen, daß er um das Jahr 2000 herum entstanden ist. Ich mußte nicht lange überlegen – drei belastende Sequenzen in dieser Zeit wurden sofort präsent! Nun konnte ich diese aber nicht mehr verändern oder in der Zeit zurückgehen. Aber ich hatte den Zusammenhang zwischen Erlebnis und meinem individuellen Verarbeitungsprogramm, dass lautete „weiter machen wie bisher, du bist ja stark„. Ich konnte mir jetzt die Fragen stellen: wie sehe ich die Situationen heute,mit etwas Abstand? Wo hat auch meine Stärke ihre Grenzen? Wo finde ich mich heute wieder, wo werde ich gesehen als diejenige, die ich bin? Und: wie ist mein Lebensumfeld? Was muß verändert werden? Ich erkannte schnell, dass ich in meinem damaligen Lebensumfeld – unbewußt – permanent an diese Situationen erinnert werde. Mein Jahr der Therapien war eine Art „Sabbatical“, indem ich mich tatsächlich wieder fand – in meiner Kunst,meinem Wesen,meinem Sein. Zwar noch nicht in meinem Körper, der hat mir währen der Antihormonellen Therapie sehr übel mitgespielt – aber Geist und Seele stabilsierten sich. Ich entschloß mich, umzuziehen. Näher an die Berge, an den Chiemsee ran -nach dem Motto „… Wohl an denn Herz, nimm Abschied und gesunde…“
„Chiemseelig“, Lochkamera -Langzeitbelichtung, 2005; © Michaela Dreier
Busenfreundin
Krebs + Psychosomatik /Teil1: Stress + Einsamkeit. As ich vor zehn Jahren die Diagnose Brustkrebs erhielt, war meine Frag nicht “Warum ich? “ sondern: „was hat´s mit mir zu tun?“ Nach einer 5 jährigen Ausbildung zur Kunsttherapeutin mit psychoanalytischem Hintergrund und über 600 Stunden Praktikum in entsprechenden Einrichtungen war dies naheliegend. Die Psychosomatik stellt die Frage, ob und welche psychischen Faktoren die Entstehung und den Verlauf körperlicher Krankheiten beeinflussen können. Den Krebs bzw. Tumor begriff ich von Anfang an als Teil von mir, woraus die Frage resultiert: wie kam´s dazu? Als ich vor neun Jahren nach Traunstein zog, hielt ich einen Vortrag mit dem Titel „Diagnose Krebs – was dann?“. Schon damals legte ich einen Focus auf das Thema „Stress“ und seine Auswirkungen auf das Immunsystem. Damals sagte die Medizin noch, dafür gäbe es keine Beweise. Heute aber gibt es natur- und sozialwissenschaftlich exakte Studien die die Auswirkung von Einsamkeit und Stress sowie von Erschöpfung auf das Immunsystem belegen.
Für ein gesundes Immunsystem ist ein Kopierfehler bei einer Zellteilung kein Problem – der Fehler wird erkannt und die fehlgeleitete Zelle eliminiert. Wann aber funktioniert dieses Reparatursystem nicht mehr? – Zum Beispiel bei Dauerstress der oft unweigerlich in einem Ohnmachtsgefühl endet. In plötzlichen Stressmomenten aktiviert das Gehirn ein archaisches Notfallprogramm, die Optionen Angriff oder Flucht lassen das Immunsystem auf Hochtourenlaufen.Enorme Kräfte und Leistungsfähigkeit werden aktiviert. Anders beim Dauerstress und der Ohnmacht: es kommt zu einer Erstarrung, die körpereigene Abwehrstrategie bricht zusammen. Darin liegt zusätzlich die Gefahr des Diagnoseschocks: ein ohnehin schon wenig aktives Immunsystem liegt dann völlig brach. Aber erst jetzt hat man exakte wissenschaftliche Studien dazu, denn das Immunsystem reagiert mit Zeitverzögerung: emotional einschneidende Alltagsereignisse sind erst 90 Stunden später messbar, erst dann wirken sich die Stressoren körperlich aus und deutlich erhöhte Entzündungsparameter werden meßbar. Glücksmomente bewirken das Gegenteil – und sind ebenfalls erst einige Tage später in Form erhöhter Abwehrzellen messbar.
Was alles macht uns Stress? Allein sein und Einsamkeit z.B.! Martha McClintock vom „Institute for Mind and Biology“ in Chiacago isolierte Mäuse, die zwar ihre Nachbarn sahen aber keinen Kontakt zu ihnen hatten. Die einsamen Mäuse hatten eine 40% geringere Lebenserwartung als die anderen, Brustkrebs war bei den weiblichen Mäusen die häufigste Erkrankung, der zudem 8mal schneller wuchs als in den Vergleichsgruppen. Die Forscherin wies nach, dass die Stresshormone einen Gendefekt in den Zellen des Hirngewebes verursachten. Somit war biologisch bewiesen, dass Kontakt zu anderen und das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle spielt. Auch bei alleinlebenden Frauen in den Armenvierteln von Chicago wurde eklatant häufig Brustkrebs festgestellt, zudem eine Form die schwer zu behandeln ist: „Tripple negativ“. Untersuchungen zeigten bei diesen Frauen einen deutlich veränderten Stoffwechsel, begründbar durch die Angst der Frauen in der Nacht, die deshalb über lange Zeit keine Tiefschlafphasen mehr hatten. Die daraus resultierende chronische Erschöpfung gekoppelt mit Angstzuständen legte das Immunsystem lahm. Forschungen zur Selbstheilung belegen, dass diese nur im Austausch mit anderen Menschen, also in der sozialen Interaktion, in Gang gesetzt wird. Es braucht das Vertrauen zum Arzt und zu der behandelnden Person damit sich die Zellen auf neuronaler Ebene verändern. Der Placebo-Forscher Prof. Benedetti wies nach, dass Überzeugung, Glaube und Zuversicht einen unmittelbaren Einfluss auf die Neuronen im Gehirn haben – aber immer nur in Kombination mit dem behandelnden Arzt und Therapeuten.
Ich war damals bereits im Umbruch – nach dem Motto „lieber ganz allein als einsam zu zweit“. Gleichzeitig gab es ein tragfähiges, soziales Netzwerk – Freunde, wirklich gute Freunde! Freunde, die fragten „was machst du?“ anstatt zu fragen „wie geht’s dir?“. Die Ärztin in der Strahlenabteilung sagte „suchen Sie sich eine Busenfreundin“ – gut dass ich schon welche hatte! (An dieser Stelle liebe Grüße nach Kalifornien, Altötting und Innsbruck!)
„Herrscherin“, Acryl auf Leinwand, © Sabine Penzenstadler, bin-art
Glauben schenken
Ich habe auf dem Blog der Selbsthilfe über das „Martyrium der Hl. Agatha“ geschrieben. Bei den Recherchen bin ich auf allerlei Querverbindungen gestoßen – von „Imbolc“, dem irischen Lichtfest zur irisch-keltischen Lichtgöttin Brigid, weiter zu Demeter und dem katholischen „Lichtmess“. Alles ist ineinander verwoben, wurde weiter gegeben über viele Generationen. Gemein ist all den Gedenktagen und Festen, dass diese genau zwischen der Winter- und Frühjahrssonnwende liegen, wenn die Tage sichtbar und spürbar länger werden. Und dies ein Beweis für berechtigte Hoffnung und Zuversicht und somit den Glauben ist. Glaube –was ist das? Woran Glaube ich? Was und wem Glaube ich? – „ Ein zutiefst menschliches Thema das immer auch philosophisch zu betrachten ist und nicht nur ein religiöses Phänomen darstellt“. Elisabeth von Samsonow bringt es in einer ihrer Abhandlungen auf „Studio Elektra“ auf den Punkt: „… Menschen sind Wesen die unglaublich gerne ein wundervolles Geschenk machen: sie schenken Glauben! Und sie tun dies, indem sie auf Dinge reagieren, die in ihnen eine Resonanz erzeugen…“
Was also erzeugt Resonanz in mir? Was fällt auf einen fruchtbaren Boden? Geschliffene Rhetorik oder Inhalte? Aber liegt darin auch Wahrheit?
Die Philosophie nach Plato sucht nach der „unveränderlichen Wahrheit“ und nur ein ganz kleiner Teil einer Geschichte sei tatsächlich wahrheitsfähig, so Plato. Der Rest? – Ist Meinung, Glaube, Überzeugung. Im Mittelalter versuchte man, das Glaubensgebiet mit dem Wissensgebiet in Deckung zu bringen, die Scholastik entstand. Deren Scheitern ist hinlänglich bekannt.
Wissen, Wahrheit und Glaube sind offenbar nicht in Deckung zu bringen. „…Daher wuchert der Meinungsmarkt mehr denn je, denn der Mensch hat weiterhin Glauben zu verschenken und diesen Glaubensakt erlebt und praktiziert er mit Hingabe.“ Zur Hingabe kommt die Vorstellungskraft hinzu, der Mensch malt sich im wahrsten Sinn des Wortes etwas aus, stellt sich den Inhalt einer Erzählung in Bildern vor, es entstehen neue, eigene Welten, Wunschvorstellungen – die nicht immer etwas mit bereits gemachten Erfahrungen zu tun haben. Der eigene, kreative Prozess, den Glaube und Hingabefähigkeit in Gang setzen, lässt mich nicht nur in Resonanz gehen sondern ich werde selbst Teil der Geschichte, bin ein Kapitel oder die Fortsetzung davon –und aus ist es mit der „Neutralität“, Logos und Vernunft haben da keinen Platz mehr. Umso mehr suche ich nach Zeichen der Bestätigung im Außen – nach dem Licht im Dunkeln, dem Funken der Wahrheit.
„Glaube ist die Kraft, die unsere Imagination steuert und uns in die Zukunft hinein führt“ ein wunderbarer Satz von Elisabeth von Samsonow. Denn: somit gestalte ich selbst diese Zukunft. Ob ich will oder nicht – die Verantwortung liegt bei mir! Wieviel Vorstellungskraft, Glaube, und Hingabe ich in eine Geschichte, eine Idee investiere liegt an meiner Resonanzfähigkeit auf die Dinge und an meinen Spiegelneuronen. Letztere ermöglichen mir Empathie und Imitation. Ob die Imitation ein reines „Nachmachen“, ein blindes und unreflektiertes Nachfolgen bleibt oder ein kognitiver Lernvorgang ist, hat meines Erachtens nichts mit medialen Modellen und vorgelebten Bildern zu tun sondern ist – wiederum – abhängig von meinen eigenen kreativen Fähigkeiten der Veränderung und Umwandlung. Egal ob ich etwas „Er-Schaffe“ oder Umwandle – ich löse etwas auf, er-löse es und mache es heil. Da sind wir wieder mitten im „Glaubensbekenntnis“ – allerdings in unserem ureigenen, selbstverantworteten. Dass dies bis zur Selbstheilung führen kann zeigt dieser Film – gemeint ist dann das „Wunder Heilung“.
„Zentrierung“,Sensograph-Zeichnung, © Michaela Dreier








