Busenfreundin

 Krebs + Psychosomatik /Teil1: Stress + Einsamkeit. As ich vor zehn Jahren die Diagnose Brustkrebs erhielt, war meine Frag nicht “Warum ich? “ sondern: „was hat´s mit mir zu tun?“ Nach einer 5 jährigen Ausbildung zur Kunsttherapeutin mit psychoanalytischem Hintergrund und über 600 Stunden Praktikum in entsprechenden Einrichtungen war dies naheliegend. Die Psychosomatik stellt die Frage, ob und welche psychischen Faktoren die Entstehung und den Verlauf körperlicher Krankheiten beeinflussen können. Den Krebs bzw. Tumor begriff ich von Anfang an als Teil von mir, woraus die Frage resultiert: wie kam´s dazu? Als ich vor neun Jahren nach Traunstein zog, hielt ich einen Vortrag mit dem Titel „Diagnose Krebs – was dann?“. Schon damals legte ich einen Focus auf das Thema „Stress“ und seine Auswirkungen auf das Immunsystem. Damals sagte die Medizin noch, dafür gäbe es keine Beweise. Heute aber gibt es natur- und sozialwissenschaftlich exakte Studien die die Auswirkung von Einsamkeit und Stress sowie von Erschöpfung auf das Immunsystem belegen.
Für ein gesundes Immunsystem ist ein Kopierfehler bei einer Zellteilung kein Problem – der Fehler wird erkannt und die fehlgeleitete Zelle eliminiert. Wann aber funktioniert dieses Reparatursystem nicht mehr? – Zum Beispiel bei Dauerstress der oft unweigerlich in einem Ohnmachtsgefühl endet. In plötzlichen Stressmomenten aktiviert das Gehirn ein archaisches Notfallprogramm, die Optionen Angriff oder Flucht lassen das Immunsystem auf Hochtourenlaufen.Enorme Kräfte und Leistungsfähigkeit werden aktiviert. Anders beim Dauerstress und der Ohnmacht: es kommt zu einer Erstarrung, die körpereigene Abwehrstrategie bricht zusammen. Darin liegt zusätzlich die Gefahr des Diagnoseschocks: ein ohnehin schon wenig aktives Immunsystem liegt dann völlig brach. Aber erst jetzt hat man exakte wissenschaftliche Studien dazu, denn das Immunsystem reagiert mit Zeitverzögerung: emotional einschneidende Alltagsereignisse sind erst 90 Stunden später messbar, erst dann wirken sich die Stressoren körperlich aus und deutlich erhöhte Entzündungsparameter werden meßbar. Glücksmomente bewirken das Gegenteil – und sind ebenfalls erst einige Tage später in Form erhöhter Abwehrzellen messbar.
Was alles macht uns Stress? Allein sein und Einsamkeit z.B.! Martha McClintock vom „Institute for Mind and Biology“ in Chiacago isolierte Mäuse, die zwar ihre Nachbarn sahen aber keinen Kontakt zu ihnen hatten. Die einsamen Mäuse hatten eine 40% geringere Lebenserwartung als die anderen, Brustkrebs war bei den weiblichen Mäusen die häufigste Erkrankung, der zudem 8mal schneller wuchs als in den Vergleichsgruppen. Die Forscherin wies nach, dass die Stresshormone einen Gendefekt in den Zellen des Hirngewebes verursachten. Somit war biologisch bewiesen, dass Kontakt zu anderen und das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle spielt. Auch bei alleinlebenden Frauen in den Armenvierteln von Chicago wurde eklatant häufig Brustkrebs festgestellt, zudem eine Form die schwer zu behandeln ist: „Tripple negativ“. Untersuchungen zeigten bei diesen Frauen einen deutlich veränderten Stoffwechsel, begründbar durch die Angst der Frauen in der Nacht, die deshalb über lange Zeit keine Tiefschlafphasen mehr hatten. Die daraus resultierende chronische Erschöpfung gekoppelt mit Angstzuständen legte das Immunsystem lahm. Forschungen zur Selbstheilung belegen, dass diese nur im Austausch mit anderen Menschen, also in der sozialen Interaktion, in Gang gesetzt wird. Es braucht das Vertrauen zum Arzt und zu der behandelnden Person damit sich die Zellen auf neuronaler Ebene verändern. Der Placebo-Forscher Prof. Benedetti wies nach, dass Überzeugung, Glaube und Zuversicht einen unmittelbaren Einfluss auf die Neuronen im Gehirn haben – aber immer nur in Kombination mit dem behandelnden Arzt und Therapeuten.
Ich war damals bereits im Umbruch – nach dem Motto „lieber ganz allein als einsam zu zweit“. Gleichzeitig gab es ein tragfähiges, soziales Netzwerk – Freunde, wirklich gute Freunde! Freunde, die fragten „was machst du?“ anstatt zu fragen „wie geht’s dir?“. Die Ärztin in der Strahlenabteilung sagte „suchen Sie sich eine Busenfreundin“ – gut dass ich schon welche hatte! (An dieser Stelle liebe Grüße nach Kalifornien, Altötting und Innsbruck!)

 Herrscherin„Herrscherin“, Acryl auf Leinwand, © Sabine Penzenstadler, bin-art

 

Glauben schenken

Ich habe auf dem Blog der Selbsthilfe über das „Martyrium der Hl. Agatha“ geschrieben. Bei den Recherchen bin ich auf allerlei Querverbindungen gestoßen – von „Imbolc“, dem irischen Lichtfest zur irisch-keltischen Lichtgöttin Brigid, weiter zu Demeter und dem katholischen „Lichtmess“. Alles ist ineinander verwoben, wurde weiter gegeben über viele Generationen. Gemein ist all den Gedenktagen und Festen, dass diese genau zwischen der Winter- und Frühjahrssonnwende liegen, wenn die Tage sichtbar und spürbar länger werden. Und dies ein Beweis für berechtigte Hoffnung und Zuversicht und somit den Glauben ist. Glaube –was ist das? Woran Glaube ich? Was und wem Glaube ich?  – „ Ein zutiefst menschliches Thema das immer auch philosophisch zu betrachten ist und nicht nur ein religiöses Phänomen darstellt“. Elisabeth von Samsonow bringt es in einer ihrer Abhandlungen auf „Studio Elektra“ auf den Punkt: „… Menschen sind Wesen die unglaublich gerne ein wundervolles Geschenk machen: sie schenken Glauben! Und sie tun dies, indem sie auf Dinge reagieren, die in ihnen eine Resonanz erzeugen…“
Was also erzeugt Resonanz in mir? Was fällt auf einen fruchtbaren Boden? Geschliffene Rhetorik oder Inhalte? Aber liegt darin auch Wahrheit?
Die Philosophie nach Plato sucht nach der „unveränderlichen Wahrheit“ und nur ein ganz kleiner Teil einer Geschichte sei tatsächlich wahrheitsfähig, so Plato. Der Rest? – Ist Meinung, Glaube, Überzeugung. Im Mittelalter versuchte man, das Glaubensgebiet mit dem Wissensgebiet in Deckung zu bringen, die Scholastik entstand. Deren Scheitern ist hinlänglich bekannt.
Wissen, Wahrheit und Glaube sind offenbar nicht in Deckung zu bringen. „…Daher wuchert der Meinungsmarkt mehr denn je, denn der Mensch hat weiterhin Glauben zu verschenken und diesen Glaubensakt erlebt und praktiziert er mit Hingabe.“ Zur Hingabe kommt die Vorstellungskraft hinzu, der Mensch malt sich im wahrsten Sinn des Wortes etwas aus, stellt sich den Inhalt einer Erzählung in Bildern vor, es entstehen neue, eigene Welten, Wunschvorstellungen – die nicht immer etwas mit bereits gemachten Erfahrungen zu tun haben. Der eigene, kreative Prozess, den Glaube und Hingabefähigkeit in Gang setzen, lässt mich nicht nur in Resonanz gehen sondern ich werde selbst Teil der Geschichte, bin ein Kapitel oder die Fortsetzung davon  –und aus ist es mit der „Neutralität“, Logos und Vernunft haben da keinen Platz mehr. Umso mehr suche ich nach Zeichen der Bestätigung im Außen – nach dem Licht im Dunkeln, dem Funken der Wahrheit.
„Glaube ist die Kraft, die unsere Imagination steuert und uns in die Zukunft hinein führt“ ein wunderbarer Satz von Elisabeth von Samsonow. Denn: somit gestalte ich selbst diese Zukunft. Ob ich will oder nicht – die Verantwortung liegt bei mir! Wieviel Vorstellungskraft, Glaube, und Hingabe ich in eine Geschichte, eine Idee investiere liegt an meiner Resonanzfähigkeit auf die Dinge und an meinen Spiegelneuronen. Letztere ermöglichen mir Empathie und Imitation. Ob die Imitation ein reines „Nachmachen“, ein blindes und unreflektiertes Nachfolgen bleibt oder ein kognitiver Lernvorgang ist, hat meines Erachtens nichts mit medialen Modellen und vorgelebten Bildern zu tun sondern ist – wiederum – abhängig von meinen eigenen kreativen Fähigkeiten der Veränderung und Umwandlung. Egal ob ich etwas „Er-Schaffe“ oder Umwandle – ich löse etwas auf, er-löse es und mache es heil. Da sind wir wieder mitten im „Glaubensbekenntnis“ – allerdings in unserem ureigenen, selbstverantworteten. Dass dies bis zur Selbstheilung führen kann zeigt dieser Film – gemeint ist dann das  „Wunder Heilung“.

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„Zentrierung“,Sensograph-Zeichnung, © Michaela Dreier

Welt-KrebsTag

Heute ist Weltkrebs-Tag. Die Redaktion der Bayern-Welle kontaktierte mich deswegen gestern für ein Interview, das heute im Lauf des Tages gesendet wird. Am meisten hat die Redakteurin wohl verwundert, dass ich nicht ins Jammern verfiel. Da paßt es ganz gut, dass der Weltkrebstag eben speziell für Aufklärung sorgen will:
„Am 04. Februar 2015 soll mit dem Weltkrebstag eine der häufigsten Todesursachen in das Bewusstsein der Bevölkerung rücken. An diesem Tag stehen die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen im Mittelpunkt. Ausgerufen wurde der Aktionstag 2007 von der Welt-Krebsorganisation UICC. Jährlich beteiligen sich verschiedene Mitgliedsorganisationen an verschiedenen Aktionen. Ihre Bemühungen zielen darauf ab, über Themen rund um die Krankheit Krebs zu informieren. Am Weltkrebstag geht es Gesundheitsorganisationen, Unternehmen sowie öffentlichen Institutionen in erster Linie um die Aufklärung und Beseitigung von Halbwissen. Hierfür werden Projekte durchgeführt an denen häufig auch Prominente mitwirken. Diese werben vor allem für die regelmäßige Krebsvorsorge. Je früher eine Krebserkrankung diagnostiziert werden kann, desto besser sind die Aussichten auf eine Heilung. Nach Angaben der UICC erkranken weltweit jährlich über 12 Millionen Menschen an Krebs und etwa 8 Millionen sterben an den Folgen. In Deutschland erkranken etwa 2000 Kinder im Jahr an Krebs, Leukämie zählt hierbei zu den häufigsten Krebsarten.“ (Quelle: http://www.kleiner-kalender.de/event/weltkrebstag/0194c.html)

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Die Situation von Brustkrebs: In Deutschland erkranken derzeit jährlich ca 72.000 Frauen an Brustkrebs, hinzu kommen noch etwa 6.500 „in situ Tumore“. Brustkrebs stellt mit Abstand die häufigste Krebsneuerkrankung bei Frauen dar. Sie ist für 32,1 Prozent aller Krebsneuerkrankungsfälle bei Frauen verantwortlich. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 65 Jahren und damit 4 Jahre unter dem mittleren Erkrankungsalter bei Krebs gesamt. Etwa jede vierte betroffene Frau ist bei Diagnosestellung jünger als 55 Jahre, jede zehnte noch keine 45 Jahre alt. Die aktuellen Neuerkrankungs- und Sterberaten liegen in den neuen Bundesländern im Vergleich zu den alten immer noch um etwa 25 % niedriger.(Quelle: www.komen.de) In Zahlen heißt das: jährlich sterben ca. 17.000 Frauen an den Folgen von Brustkrebs. Denn die Frauen sterben ja nicht an dem Tumor in der Brust, sondern wenn sich die Stammzellen des Brusttumors unkontrolliert ausbreiten und lebenswichtige Organe befallen.

Trend: In 2008 erkrankten etwa doppelt so viele Frauen an Brustkrebs wie noch 1980, die altersstandardisierte Erkrankungsrate stieg seitdem um etwa 50 %. Trotz der gestiegenen Erkrankungszahlen sterben heute weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor 20 Jahren. Die Überlebenschancen haben sich durch Fortschritte in der Therapie deutlich verbessert.
Prognose : Die relative 5-Jahres-Überlebensrate für Brustkrebspatientinnen in Deutschland wird derzeit mit 83 bis 87 Prozent angegeben. Ende 2006 lebten in Deutschland etwa 273.000 Frauen mit einer bis zu 5 Jahren zurückliegenden Brustkrebs-Diagnose (5-Jahres-Prävalenz).  (Quelle:www.komen.de)

Der Schwerpunkt bei der Bekämpfung von Wissenslücken und Fehlinformationen liegt am Weltkrebstag auf folgenden vier Mythen: Krebs ist ein Thema, über das nicht geredet werden muss; es gibt keine Warnzeichen, an denen eine Krebserkennung frühzeitig zu erkennen ist;gegen Krebs kann nichts unternommen werden; bei einer Krebserkrankung gibt es keinen Anspruch auf Hilfe. Diese und andere Fehlinformationen versuchen die Helfer am Weltkrebstag durch Aufklärung zu berichtigen, denn jeder Mensch ist während seines Lebens direkt oder indirekt von Krebs betroffen.

Morgen ist der Tag der Hl Agatha, die u.a. die Schutzheilige der Brustkrebspatientinnen ist. Mehr dazu morgen- weil ich gerade Agatha-Brötchen backe!

Bild1„Wunder“, Mischtechnik mit Wachs auf Papier, ©Michaela Dreier

zehn Jahre ICH

2.2.2005 – der Tag der Diagnose jährt sich zum zehnten mal. Noch in der selben Nacht entstand diese Collage:

Diagnose1Collage, © Michaela Dreier

Mein erster Gedanke „Okay – ich also auch“- keine Panik, kein Schock, mir zog es weder den Boden unter den Füßen weg noch geriet ich in Panik. Nicht weil ich so cool bin, sondern weil ich schon einiges über diesen Krebs wußte. Mir war auch sofort klar, wohin: der Onkologe meiner Großmutter war von der Radiologie aus zu Fuß erreichbar. Also bin ich gleich zu dieser Praxis. Alles weitere war in sich schlüssig. Die OP mußte erst mal 2 Wochen warten -ich hatte eine Ausstellung und Vernisage in Passau im Museum. Denn ich wußte: eine Brustkrebs-Diagnose ist keine Notfallsituation! Also: schön der Reihe nach. Von diesem Tag an sind eine Menge Bilder entstanden, die ganzen Wochen und Monate hindurch. Und am Ende bin ich umgezogen, nach Traunstein. Weil ich ohnehin gerade mein Leben sehr verändert habe, schon im Umbruch und Aufbruch war. Und all meine Entscheidungen die Therapie betreffend ohne Rücksicht auf irgend jemand fällen konnte – nach dem Motto „…Wo meine Füße stehen, ist der Mittelpunkt der Welt..“.

Kaiserwetter

Dieses Bild mit Text war heute früh in meinem Postfach – von meiner Mutter, aus ihrer ganz persönlichen „Reha“ – da muß einem doch das Herz aufgehen!

Und es zeigt, worauf es angkommt: wieder die Lebensfreude zu finden und zuzulassen!

DSC00811„……Ab 11 h waren wir auf der Piste, so bis halb 4 mit Einkehrschwung. War heute nicht so k.o. und hab mich gut erholt…“

Krebs – die beste Art zu sterben?

– ein Kommentar über die Vermessenheit –

Richard Smith, ehemaliger Herausgeber des „British Medical Journal“ und Dozent an der Universität Warwick, löste kürzlich eine kontroverse Diskussion zum Thema Krebs aus: Der Tod durch Krebs sei die beste Art zu sterben, so Smith in einem Beitrag auf dem bmj-blog . Er unterscheidet vier Arten zu sterben: 1.den plötzliche Tod, bei dem kein Abschied möglich ist und nichts mehr geklärt, versöhnt, ausgesprochen werden kann. 2.den langsamen Tod durch Demenz, bei dem man sich selbst verliert. 3.den Auf-und-ab-Tod durch Organversagen, bei dem man sich ganz den Ärzten und der Apparatemedizin ausliefert. Und 4. den Krebstod. Dieser sei deshalb die beste Art zu sterben, so Prof Smith, da einem dann die Zeit bliebe, sich zu verabschieden, das eigene Leben zu reflektieren, Botschaften zu hinterlassen, vielleicht die besonderen Plätze ein letztes Mal zu besuchen, die liebsten Lieder zu hören, geliebte Gedichte zu lesen, und sich – entsprechend des eigenen Glaubens – darauf vorbereiten, seinen Schöpfer zu treffen. Dies sei zwar ein romantischer Blick auf das Sterben, aber „es lässt sich mit Liebe, Morphin und Whiskey erreichen“, so Smith.
Ja wenn es denn nur so einfach wär! Derlei beschönigende Darstellungen gehen am Thema vorbei! Bei einer Krebserkrankung ohne Aussicht auf Heilung sitzt immer Eine mit am Bett: die Hure Hoffnung! Und manchmal reichen Morphium und Whiskey eben bei weitem nicht aus – dann hilft nur ein künstliches Koma, wenn der Schmerz unerträglich wird. Oder der Suizid – um sich selbst die Würde zu bewahren und  Leid zu beenden, so wie Brittany Maynard am 1. November 2014. Dieses Ringen und Kämpfen beschreibt Wolfgang Herrndorf in seinen Tagebuchaufzeichnungen „Arbeit und Struktur“ sehr anschaulich: »Ein Riesenirrsinn jeden Tag, jeder Tag« und »Ich kann nicht mal das Wort finden, das meinen Zustand beschreibt«. Spätestens mit Christoph Schlingensiefs „So schön wie auf Erden kann´s im Himmel gar nicht sein“ wurde deutlich, dass der Krebstod am Ende eines Lebens sich auf die Lebensweise, -erfahrung und – einstellung bezieht die der Betroffene schon vorher hatte. Ein praktizierender, in Mediation geübter Mönch und Buddhist wird anders in diese Phase treten als einer, der in der Tradition des „Glaubens und Hoffens bis zum Schluss“ lebte und weder den Kampf noch die Liebe zum Leben oder zu seinen Leiben einfach aufgeben kann.
Henning Mankells Aufzeichnungen seiner Krebserkrankung und –therapien scheinen auf den ersten Blick Richard Smith Recht zu geben. Doch schnell wird klar: Mankell war immer schon ein sehr bewusst lebender, reflektierter Mensch. Er gibt offen zu, Tage zu erleben, „…die schwer sind, mutlos. Dann heißt es, die Zähne zusammenzubeißen und sich zu anderen Gedanken zu zwingen.“ Und er schreibt von seiner Angst – so wie viele vor ihm auch. Alleine die Diagnose war für Mankell ein „Abstieg in die Hölle“. Nach monatelangen Therapien konstatiert er wie so viele andere Krebspatienten auch, die wissen, dass der Krebs zwar zur Ruhe gekommen ist aber Heilung nicht mehr möglich ist, sein Leben zu leben „als wäre alles normal.“
Egal ob nun Mankell, Herrndorf oder Schlingensief: jeder Tod ist so individuell wie das Leben selbst und ist die letzte zu bewältigende Aufgabe eines Jeden. Ein Vergleich, welcher Tod nun „besser“ oder „schlechter“ sei und somit die Krebs-Forschung an sich gleich in Frage zu stellen, ist allerdings mehr als vermessen!

vomMeer„Notwendigkeit“, Mischtechnik auf Papier, © Michaela Dreier

Viel Glück! + Ursachenforschung!

Ein sehr ergiebiges Thema ist das der Korrelation von Umwelteinflüssen, der Lebensweise, von Genen und das der selbst bestimmbaren Faktoren bei der Entstehung von Krebs. Im Hinblick auf unsere Familiengeschichte wurden bisher nach eingehenden Tests die für Brustkrebs mit verantwortlichen, bisher bekannten Gene ausgeschlossen. Zur Lebensweise: ich bin seit meinem sechzehnten Lebensjahr Vegetarierin, (eigentlich „Pescetarier“, denn hin und wieder esse ich gerne Fisch) ernähre mich gesund, bewußt, meist biologisch. Ich kann Kochen – Fertiggerichte gibt es höchst selten. Die Freude am Kochen und an guten Lebensmitteln ist bei uns Familientradition, das Kochen habe ich u.a. gelernt bei meiner Mutter und meiner Großmutter. Gemüse, Salate und gutes Öl gehören dazu, schon immer, das Ganze als eine Mischung aus bayerisch-österreichischer-mediterraner Kost. Umwelteinfluß und Lebensweise „Essen“ können also schon mal abgehakt werden, bei jeder von uns. Alkohol? In Maßen ja, gerne zum Essen. Rauchen? Meine Großmutter war starke Raucherin, vermutlich starb sie an einem Lungenrezidiv, wurde aber über 80 bei viel Lebensqualität bis kurz vor ihrem Tod. Sie hat sich unmittelbar nach ihrer Diagnose das Rauchen abgewöhnt und 20 Jahre durchgehalten. Meine Mutter hat wohl früher mal geraucht, es aber auch schon längst bleiben lassen. Ich selbst hab nie geraucht. Bewegung und Sport an der Luft? Oma war und Muttern ist noch immer Skiläuferin durch und durch. Ich war früher Reiterin, bin heute mit den Hunden täglich draußen und viel unterwegs – zu Fuß, bergauf, bergab, querfeldein. Ins Schwitzen und Meditieren komme ich beim Arbeiten im Garten, regelmäßig! Graben und Werkeln im Garten wurde mir ebenfalls in die Wiege gelegt, ebenso wie das Schwimmen. „Couchpotatoes“ sind wir also alle drei nicht und nie gewesen. Kommt noch die Psyche, also die Psychosomatik, dazu. Da treffe ich voresrt noch keine Aussage, da ich mich in zwei zum Thema passende Bücher einlese sowie der Umzug in die Hirschau abgeschlossen ist.

Zum Thema Ursachen eines Krebsgeschehens habe ich heute  einen blog- Eintrag auf der Seite der Selbsthilfegruppe veröffentlicht: Glück spielt bei der Erkrankung bzw. Nicht-Erkrankung von Krebs eine nicht unwesentliche Rolle! „So das Ergebnis einer Forschungsarbeit dreier Wissenschaftler, die zunächst einen Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren und den Mutationen von Stammzellen belegen wollten. Bei jeder Zellteilung ist das Risiko für eine Mutation erhöht und damit die Ursache für einen späteren Krebs. Anhand der Stammzellen der Organe und deren Zellteilungsrate konnte das Forschungsteam mathematisch errechnen, dass in manchen Geweben und Organen häufiger Krebs entsteht als in anderen.Verglichen mit realen Krebsraten in der Bevölkerung zeigte sich, dass tatsächlich zwei Drittel aller Krebsarten sich auf  Teilungshäufigkeit von Stammzellen zurückführen lässt – und dass die Erkrankung an vielen Krebsarten einfach nur “biologisches Pech” ist. Für immerhin 22 von 31 Krebsarten ist dieser Zusammenhang mit den Daten des Forscherteams  nachgewiesen.Demnach  sind zwei Drittel aller Tumore unter Erwachsenen die Folge zufälliger, spontaner Mutationen im Erbgut. Nur in einem Drittel der Fälle sind erbliche Vorbelastung oder Umwelteinflüsse die Hauptursache.

Bert Vogelstein Prof. f.Onkologie und Pathologie/ Cristian Tomasetti, Prof f.  Biomathematik, Biostatistik and Krebs-Genetik /Martin Nowak, Prof. f. Biologie und Mathematik, Quelle:sciencemag.org  und : zeit.de/wissen/gesundheit

Dass sich in der weiblichen Brust durch die ständige stattfindene Veränderung, die sich monatlich wiederholt, eine häufige Zellteilung stattfindet, ist klar. Nun stellt sich mir aber die Frage: warum ist die Brustkrebsrate bei Frauen der westlichen Welt deutlich höher? Die Epidemologie zeigt , dass weltweit große Unterschiede in der Erkrankungshäufigkeit bestehen. Die höchsten Erkrankungsraten werden in Nordeuropa, den USA, Australien und Neuseeland beobachtet. Eine Frage von Glück und Pech? Oder doch auch der Umwelteinflüsse?

Wie dem auch sei:

Ich wünsche allen ein zufriedenes, gesegnetes 2015 – ebenso Glück und Zuversicht!

338B„2014“,Mischtechnik auf Papier, © Michaela Dreier

2014, rückblickend  ein Jahr der Veränderungen!

„Öffne der Veränderung Deine Arme, aber verliere dabei Deine Werte nicht aus den Augen.“ (Buddhistische Weisheit)

Zeit der Wunder

Nicht nur an Weihnachten ist die Zeit der Wunder! Diese geschehen immer wieder. „Als Wunder werden vom Vatikan nur noch unerklärliche Heilungen anerkannt. Dazu kommt es immer seltener…“ Ich kenne einige Menschen die nach einer Krebsdiagnose mit wenig hoffnungsvoller Prognose eigentlich nicht mehr leben dürften – das aber tun, und zwar schon über 15 Jahre beschwerdefrei. Leider tauchen diese Überlebenden in keiner Statistik auf – somit fällt ein durchaus relevanter Prozentsatz nicht ins Gewicht -was wiederum bedeutet, Statistiken kritisch zu hinterfragen. Meinen Lesern wünsche ich jedenfalls viele große und kleine Wunder und viele wunderbare Momente!

Ausblick„Weitblick“, Mischtechnik auf Papier, © Michaela Dreier

 

Bild-Betrachtung

Der Genexpressionstest vom Tumorgwebe meiner Mutter ergab, dass dieser nicht auf eine Chemotherapie ansprechen würde – was den G1-Status bestätigt. Auch eine Bestrahlung – Radiotherapie – macht wenig Sinn, da diese sich in erster Linie gegen Lokalrezidive richtet und der Vorteil in ihrem Fall mit Bestrahlung bei gerade mal 3,3 % liegen würde – im Hinblick auf die Nebenwirkungen und Strapazen zu wenig. So hat sie sich klar dagegen entschieden. Zumal sie in den letzten Jahren bei einigen Freundinnen die Verbrennungen während einer Bestrahlung miterlebt hat. Vor einer Woche hat sie mit der „Antihormonellen Therapie“ begonnen, nimmt ein Medikament, das die Rezeptoren der Hormone, an die der Tumor andocken würde, blockiert. So wird das Wachstum eventueller Rest-Tumorzellen unterbunden. Auf den Skiern steht sie noch nicht – was aber am Schneemangel liegt. Sie ist wieder mobil wie zuvor und kommt morgen zu mir, um den Verlauf des Umzugs zu begutachten.

Wir beide hatten die Chance der Früherkennug – und erfahrene Diagnostiker. Sicher ein Glück, denn dass die rechtzeitige Erkennung ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen Brustkrebs ist und es gerade im frühen Stadium erfahrene „Bild-Betrachter“ braucht, ist keine Frage. Frau kann diese Chance auch nur nutzen, wenn sie regelmäßig zur Vorsorge zum Gynäkologen geht – zum jährlichen Ultraschall z.B. und gerade bei Frauen vor den Wechseljahren sehr wichtig, denn die Mammographie läßt bei einem Gewebe, das sich monatlich mehrmals verändert, meist wenig erkennen. Auf dem blog der Selbsthilfe habe ich auch was zum Mammographie-Screening für Frauen ab 50 verfasst.

Im Moment beschäftige ich mich auch wieder mit den vielen einzelnen Faktoren, die zu einem Tumor führen können – Bewegung und Ernährung, Immunsystem und Gene, Verletzungen – äußere wie innere  – und somit die Psychosomatik. Zusammenfassung folgt….

Hades3_3aus der Serie „Mamma CA“, Monotypie auf Papier, © Michaela Dreier

Upgrading

Gerade als ich dachte, ich kann mich nun wieder etwas auf den Umzug konzentrieren, gab es noch einmal Aufregung und Verunsicherung um die Diagnose meiner Mutter. Vor zehn Tagen wurde sie operiert, alles ging gut. Während der OP wurde bei der „sentinal certification“ , der Überprüfung der Wächterlymphknoten, festgestellt dass diese nicht befallen sind – also kam die Entwarnung gleich schon am Tag der OP. Von Chemo war also keine Rede, auch nicht von Bestrahlung. Beim Abschlussgespräch mit dem Operateur hieß es plötzlich: in der Histologie der Lymphe wurde eine Mikrometastase gefunden, man empfehle eine Chemotherapie, eine Bestrahlung und danach eine Hormontherapie, das ganze Programm also. Bisher hatte meine Mutter während des ganzen Verlaufs trotz der vielen Auf und Abs die Diagnose und alles damit Verbundene gut gepackt. Doch das war zu viel – diese Nachricht war ein Schock und entsprechend ging es ihr. Leider fuhr sie alleine zu dem Nachgespräch, denn zuvor war ja bereits Entwarnung gegeben worden, sie war fit, fühlte sich gut. Sie rief unmittelbar nach dem Gespräch bei mir an und ich erkannte schon an der Stimme, das was nicht stimmt. Ich konnte sie ein klein wenig beruhigen, soweit das übers Telefon machbar ist.

Zum Thema „Mikrometastase“ sollte man wissen dass es sich dabei meist um eine sog. „disseminierte Tumorzelle“, DTZ genannt, handelt. Diese befinden sich in einem inaktiven Zustand, der G0-Phase des Zellzyklus und sind 0,2 bis 2 mm groß! Der Krebsinformationsdienst schreibt dazu: „So genannte Mikrometastasen, einzelne Zellen oder Zellverbünde von nicht mehr als zwei Millimetern Größe, lassen sich durch übliche Untersuchungen nicht nachweisen. Bildgebende Verfahren stoßen hier an ihre Grenzen. Krebsforscher hofften daher lange, mehr über die Prognose von Patienten über molekularbiologische Nachweise einzelner Zellen zu erfahren. Tatsächlich lassen sich verstreute Tumorzellen bei vielen Krebsarten inzwischen mit verschiedenen Verfahren nachweisen. Die Hoffnung, diese Tests in der Praxis zu nutzen, wurde zumindest bisher jedoch weitgehend enttäuscht. Nach bisherigem Kenntnisstand erlaubt der Nachweis einzelner Zellen nur bedingt Aussagen über die Prognose eines Betroffenen. Viele Untersuchungen belegen, dass einzelne Zellen nicht automatisch als Metastasierung angesehen werden können. Ihnen fehlt anscheinend oft die eigentliche Bösartigkeit, die sie befähigen würde, echte Tochtergeschwülste zu bilden. Auch verharren Tumorzellen häufig für längere Zeit oder sogar für immer in Ruhestellung. Gefährlicher wird es, wenn einige dieser ruhenden Tumorzellen beginnen, sich wieder zu teilen, eine Eigenschaft, die möglicherweise nur bei den sogenannten Tumorstammzellen vorhanden ist. Solange es nicht gelingt, die ruhenden sicher von den gefährlichen Zellen zu unterscheiden, haben Einzelzellnachweise keinen Stellenwert in der Krebsdiagnostik und Krebstherapie. Wesentliche Erkenntnisse erhoffen sich Wissenschaftler und Mediziner daher von der Forschung an Tumorstammzellen….“ Quelle: http://www.krebsinformationsdienst.de/grundlagen/metastasenbildung.php#inhalt3

Ein weiterer Aspekt: das Lymphsystem unseres Körpers ist ein wichtiger Bestandteil des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem), sozusagen ein Drainagerohr-System des Gewebes. Die Lymphknoten übernehmen die Reinigungsfunktion der Lymphflüssigkeit und bilden entsprechende Abwehrzellen wenn z.B. Viren angeschwemmt werden oder sie zerlegen Zelltrümmer oder anderweitige Partikel. Das Auffinden von „Mikrometastasen“ in den Lymphknoten ist keine Seltenheit und übrigens mit ein Grund, weshalb Patienten nur bei dringendem Verdacht in eine PET-Untersuchung geschickt werden. Ich möchte gar nicht wissen, mit wie vielen Mikrometastasen ich schon durchs Leben gelaufen bin. Übrigens ist bis heute nicht erforscht, wann, ob und wie häufig aus einer DTZ eine Metastase wird – man vermutet 1- 2%,eben aus jenen oben erwähnten Tumorstammzellen.
Zurück zu meiner Mutter: eine Mikrometastase eines G1-Tumors ist kein Anlass für eine Chemotherapie! G1 bedeutet: gut differenziertes bösartiges Gewebe („low-grade“), hohe Übereinstimmung mit Ursprungsgewebe, und: geringe Teilungsaktivität! Die Chemo greift aber nur während der Zellteilung ins Geschehen ein. Also wann soll eine Chemotherapie wirken wenn die Zellteilung nur sehr gering ist? Somit wäre dies bei einem G1-Befund eine Übertherapie. Der Onkologe meiner Mutter – der nicht ihr Operateur ist – und der sie weiter behandelt, hat jedenfalls schnellstens den Nachbefund der Histologie angefordert. Plötzlich wurde aus einem G1-Tumor ein „G1 auf G2“. Bei einem G2-Tumor ließe sich eine Chemo natürlich vertreten! Sehr seltsam, denn auf Nachfragen wurde bestätigt, dass der Tumor selbst molekularbiologisch „low grade mit hoher Übereinstimmung und geringer Teilungsaktivität“ klassifiziert blieb. Ich möchte nicht der Pathologe sein, der das dem weiter behandelnden Onkologen dann erklären musste. Denn auch der war mehr als erstaunt über dieses „up-grading“.

Was also macht eine Frau mit derlei Botschaften, wenn sie weder eine relativ gut informierte Tochter noch einen erfahrenen, engagierten Onkologen wie Dr. S. im Rücken hat?- genau – sie unterschreibt alles, läßt alles mit sich machen! Für mich ein Paradebeispiel, dass die Ängste der Frauen definitiv instrumentalisiert werden! Jedenfalls konnte meine Mutter in dem Gespräch mit dem Arzt noch sagen, dass für sie eine Chemo nicht automatisch in Frage komme, sie das erst abklären müsse mit ihrem Onkologen und man das doch austesten kann ob der Tumor überhaupt darauf anspricht. Ihr wurde entgegnet, dass man diesen Test gar nicht erst machen läßt wenn sie so negativ gegen die Chemo eingestellt sei. Ihr wurde noch etwas zum Unterschreiben hingelegt, irgendeine Rückerstattung von 2000,- €, aber um was genau es sich dabei gehandelt hat wußte sie nicht mehr. Sie hatte einen black-out, hat das auch so gesagt, blieb dann aber sich selbst überlassen. Was lerne ich draus? Kein Arzt-Gesprächmehr alleine führen,immer zu zweit hin fahren, und sei es nur ein „Nachsorgegespräch“.

desktop„Tanz auf dem Vulkan“,Monotypie auf Seidenpapier, © Michaela Dreier