lieber spät als nie

„I´m a real artist“ sagt die blinde Fotografin Sonia Sobertas, nachdem sie auf ihre Leiterkonstuktion geklettert war, und fügt hinzu, „du verstehst erst, wie großartig Licht ist, wenn du erblindet bist“.

Auch ich fühlte mich am Sonntag wie Sonia Sobertas, glücklich angekommen oben auf der Leiter, als ich mit Luisa, Ilse, Marah und vielen Frauen und zwei Männern im Taglachinger Wirtshaus jodeln durfte. Ich und jodeln..„..was Michi, DU??…“ Ja genau, ich! 50 Jahre hat es gedauert, bis ich heraus fand, daß mir das viel Freude macht. Mir, die ich ab der Schule zu hören bekam, ich könne absolut nicht singen. Wenn du das über Jahre wie ein Mantra hörst, dann glaubst du es. Obwohl ich mit meiner „Tante Anni“ beim Putzen, Kochen und Werkeln zu Hause immer gesungen habe – besonders gerne das „Brotzeit-Lied“. Doch dann hat es mir sozusagen die Stimme verschlagen und ich hab nur noch alleine laut im Auto gesungen.
Mit Luisa habe ich vor 3 Jahren zum ersten mal erstaunt entdeckt, es geht doch. Auf unkonventionelle Weise hat sie im Rahmen einer Lesung den Frauen vermittelt, wie man aus einer Tonfolge und Lautreihe einen Klangteppich mischt und hat aus Zuhörerinnen Sängerinnen „gezaubert“. Und ja, ich treff die Töne (meistens) – aber viel wichtiger: da geht mir das Herz auf! Liegt vielleicht daran, das ich nichts sollen brauch und nicht müssen muß. Ich merke offenbar erst, daß mir etwas fehlt, wenn es  endlich wieder da ist und Raum bekommt. Lieber spät als nie – ganz lieben Dank an Ilse und Luisa!

Das Abendlicht gestern drüben am Hochfelln war dann besonders schön!

 

 

scribble in the dark

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Kritzel- und Zeichen-Seminare wissen bereits um meine Vorliebe, im Kino zu kritzeln und zu skizzieren.  Letzte Woche gab es die Möglichkeit, umzusetzen und auszuprobieren, wovon ich immer mal wieder berichte: Kritzeln im Dunkeln. Gezeigt wurde passend zum Thema der Film „shot in the dark“ von Frank Amann. In dem Film werden drei Fotografen porträtiert, die eines gemeinsam haben: sie sind fast blind. Die drei Foto-Künstler Pete Eckert, Bruce Hall und Sonia Sobertas haben trotz 8oder wegen) des Verlustes ihrer Sehkraft und zusätzlichen Schicksalsschlägen zu einer besonderen und erstaunlichen Ausdruckskraft gefunden. Der Film zeigt auf eindrückliche Weise, daß die Sehkraft alleine nicht ausschlaggebend ist, künstlerisch seinen eigenen Ausdruck zu finden. Viel wichtiger ist es, sich darauf einzulassen, es zu wollen – und dann zu tun.  Wichtig bei unserem Kino-Kritzeln: besondere zeichnerische oder künstlerische Fähigkeiten sind NICHT erforderlich! Erfahrung ist hilfreich, aber nicht ausschlaggebend. Zunächst geht es darum, visuelle Impulse in einen eigenen Duktus umzusetzen. Alles was die Teilnehmer/innen brauchen ist ein Skizzenbuch oder einen Skizzenblock (max A3), ein oder zwei Lieblingsstifte ( z.B. ein weicher Graphitstift oder Bleistift B 10) und ein bißchen Mut.
Es hat allen so viel Freude gemacht, daß es Mitte Mai eine Wiederholung, mit einem anderen Film, gibt! Der genaue Termin kann bei mir erfragt werden: m3er@michaeladreier.de

born to be

Ziemlich zornig ist er, der Engel – ob der Situation der Frauen weltweit. Die Zahlen, Fakten und Daten zum „Weltfrauentag“ sind ernüchternd. „Der Kampf geht weiter“titelt arte zurecht.  Da nimmt sich eine Geschichte wie die von Ali Cobby Eckermann wie Labsal aus. Ohne es zu wissen oder zu ahnen, erhält die australische Dichterin einen der höchst dotierten Literaturpreise.

„As I moved further into the desert and back to ma traditional Yankunytjatjara roots, the poetry sang louder and i began to discover why i was born to be“.
Ali Cobby Echermann

„…Eine australische Dichterin erhält einen auf 165.000 US-Dollar dotierten Literaturpreis. Für die Aborigine-Künstlerin ist der Preis ein lebensverändernder Einschnitt. Bisher wohnte die Autorin in einem Wohnwagen.
Die 1963 geborene Schriftstellerin lebt selbst in eher armen Verhältnissen, obwohl ihre Gedichte in Australien bereits Anerkennung gefunden haben – doch Geld lässt sich mit guter Literatur eben oftmals nicht wirklich verdienen.
Eckermann arbeitet in ihren Werken ihre eigene Familiengeschichte und das Schicksal der sogenannten „gestohlenen Generation“ auf. Dieser Begriff steht für all die Kinder der Ureinwohner, die von Anfang 1900 bis in die 1970er Jahre von der australischen Regierung ihren Familien gewaltsam weggenommen wurden und in Pflegefamilien, Waisenhäusern oder ähnlichen Institutionen aufwachsen mussten. Die Gründe dafür waren rassistischer Natur, vor allem Mischlingskinder sollten in die „weiße Rasse“ assimiliert werden. Die Verantwortlichen waren dabei fest davon überzeugt, ganz zum Wohle der Kinder zu handeln. Wie viele Kinder es genau betraf, ist bis heute aufgrund von mangelhaften Aufzeichnungen unklar, Experten vermuten jedoch, dass es bis zu 100.000 Kinder gewesen sein könnten.
Eckermann selbst wurde ihrer Mutter als Baby weggenommen und auch sie selbst wurde gezwungen, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Obwohl sie von einer deutsch-lutherischen Familie aufgenommen wurde, und relativ glücklich auf einer Farm aufwuchs, suchte sie ihre leibliche Mutter über 20 Jahre hinweg. „Ich denke, dass dieser Preis die Wahrheit rund um die gestohlene Generation anerkennt, das Schreiben über eine emotionale Wahrheit, nicht eine akademische……“

Quelle: Ralf Geisenhanslüke, Neue OZ

sugar man

Gebannt saß ich gestern Abend vor dem Bildschirm. Am Ende dachte ich mir, die unglaublichsten Geschichten schreibt wirklich das Leben. Eine davon ist die von Sixto Rodriguez, einem amerikanischen Sänger und Songwriter, der unverständlicher Weise in den USA unbekannt blieb aber in Südafrika ein Idol wurde und mit seinen Liedern eine wichtige Rolle in der Anti-Apartheid-Bewegung spielte – ohne davon zu wissen. Die Musik-Doku „searching for sugarman“  des Ressigeurs Malik Bendjelloul ist noch einige Zeit in der  arte-mediathek zu sehen.

 

Sekundenzeichnung „Sixto“ – Grafit im Skizzenbuch

Atelierbesuch

Besuch im Atelier diese Woche: zwei Künstlerkolleginnen kamen im Laufe der Woche für je einen Nachmittag vorbei und jede hat für sich auch etwas erarbeitet…
Im Vordergund der Anfang einer Collage auf Leinwand, von Sabine. Hier geht es zu ihrem blog.
Diese Arbeit ist von Marah – ein Reise- Altar:

Und ich – habe wieder ein Skizzenbuch begonnen und mache Farbskizzen und Zeichnungen…

   

Komplizenschaft

„little red riding hood“ von Franz Wassermann, geschaffen am 11. Januar 2017, ist gestern angekommen bei mir! Somit wurde ich zur Komplizin seines #DailySocialTransfer, bei dem der in Wien lebende Künstler täglich eine Zeitung erwirbt und aus dieser ein politisches Kunstwerk erschafft.

In den Arbeiten von Franz Wassermann sind  Kunst und Politik untrennbar miteinander verbunden. Seine Aktionen und Skulpturen sind eine unmittelbare Antwort auf Mißstände, Ungerechtigkeit, gesellschaftlichen Wahnsinn. Somit ist er für den Kunstmarkt schwer zu kontrollieren, geschweige denn einzuordnen.  Franz Wassermann wendet sich in seinem aktuellen Projekt nun direkt an Förderer, Freunde, Kollegen, und all jenen, die Kunst als ein Zeit-Zeugnis sowie eine Möglichkeit der Anteilnahme, der Meinungsäußerung, der Reflektion und der Bewußtwerdung verstehen und ruft durch den Ankauf einer seiner täglich neuen Arbeiten zur Komplizenschaft auf!
Mit einem Klick auf das Bild gelangt man direkt auf seine Seite – denn jeder kann  Komplize werden! Sei politisch – kaufe Kunst!

 

Inselfeeling

20161121_191111Der Wind knistert in den Palmen,
der Sternenhimmel weiter als der Horizont
das Meer lebendinger als gestern,
die Wolken in Aufruhr
Sphären verdichten sich und so mancher Stachel sitzt tief,
die Insel – nichts weiter als ein Fels in der Brandung

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Urgrund

AtelierM3erHirschauBIGBW

„Mit der Kunst ist das wie mit Blumen – wenn man sie nicht täglich gießt, vertrocknen sie“  sagt Markus Lüpertz.

Ich sage: sie braucht auch noch einen guten Standort, Licht und einen Urgrund, um zu gedeihen.

Den gibt es jetzt wieder – endlich!

Besuch, Besichtigung – auch von Bildern – und Kursbuchung ( Infos hier: vitaM3er) nach Terminabsprache jederzeit möglich.