„Lebenslust – Prinzip“

Das gestrige Seminar nach dem „Lebenslust – Prinzip“ von und mit Andrea Länger im schönen Vogelhuberhaus in Bernau am Chiemsee war gleich so inspirierend, dass ich  beschloß den blog-Eintrag erst dann zu schreiben, wenn ich wirklich Lust und Freude daran habe und nicht weil es mein Pflichtbewußtsein erfordert. Dabei stellte ich fest, dass ich in den letzten Wochen meine Einträge ohnehin schon nach dem Prinzip der Spontanität, der Leidenschaft und Hingabe verfasse –  so ganz dem „Jahr der  Herrescherin“ entsprechend.  Was es widerum damit auf sich hat vermittle ich im Rahmen eines künstlerisch – kunsttherapeutischen Seminars, ebenfalls im Vogelhuberhaus, im November diesen Jahres: am 6.11. lade ich ein zu einem Schnupperseminartag “ zu Ehren der Herrscherin“. Ich verlange an diesem Tag ( 10 bis 17 Uhr)  lediglich den Materialkostenbeitrag von 20,- €, denn „die Herrscherin“ ist die personifizierte Impulsgeberin unserer Kreativität und Inspiration und eben das zu vermitteln ist mir ein Anliegen. Vierzehn Tage später findet dann der Kurs „Vom Symbol zum Bild – von den Archetypen zum Tarot“ statt (http://www.vogelhuberhaus.de/11.html)  . Die beiden Seminare stehen zwar in engem Bezug zueinander, bauen aber nicht aufeinander auf, will heißen: sie sind auch einzeln zu belegen.

Am gestrigen Seminartag konnte ich mich so ganz von der wunderbar geeigneten Atmosphäre und Situation im Vogelhuberhaus überzeugen ! Da freu ich mich jetzt richtig drauf !… muß ja nicht gleich wieder zum Stromausfall kommen bei so viel Energiearbeit wie gestern!…. ich arbeite an der Transformation….! Doch zurück zum gestrigen Seminartag: alleine schon die Fahrt dorthin war eine Wonne, an Feldern Wiesen und Kornblumen vorbei:

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PraktischeStrategien zur Lebens- und Alltagsbewältigung an Frauen mit Krebs oder in anderen Krisen weiter zu geben ist das Ansinnen von Andrea Länger. Dabei geht es eben nicht um einen möglichst effizienten Fahrplan durch Therapien oder um medizinische Abfolgen und Fachbegriffe, sondern eben um die kleinen, unspektakulären, einfachen und umso wirkungsvolleren Möglichkeiten. Neugierig und gespannt war ich schon : was kann sie mir, die ich selbst schon diesen Weg gegangen bin und zudem Ressourcenarbeit im klinischelebenslustprinzip.jpgn Kontext mit Patienten leiste, vermitteln? Die Antwort nach diesem Seminartag: vermittelt wurde mir vorallem  Selbstvertrauen, Ruhe und Gelassenheit und  die Bestätigung, auf einem guten Weg zu sein. Andrea Länger hatte neben vielen Übungen und  Ideen auch noch ihr ganz druckfrisches Buch mit dabei. Es ist eine wunderbare Zusammenfassung vieler Möglichkeiten, Idee und Übungen, verbunden durch ihre eigenen, persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse. Doch es bleibt nicht an der Oberfläche: gleich zu Beginn werden im Buch u.a. Themen wie Diagnoseschock, Entscheidungen, Überforderung und Geldsorgen und die daraus resultierenden, essentielle Gefühle wie Angst, Wut, Einsamkeit, Traurigkeit und die Möglichkeiten der Lebensgestaltung ausgeführt. Wie Lebenslust und Krebs zu vereinbaren sind ist der Hauptteil des Buches. Andrea Länger gibt den Lesern dabei eine Vielzahl von Stragien an die Hand  um auch die Chancen zu erkennen, die in den  Ängsten, der Wut, dem Weinen, den Schmerzen liegen ebenso wie in der Liebe, dem neu zu entdeckenden Körper, in der Natur, im Tanzen, im Träumen, in den Veränderungen und den Entscheidungen. Eine gelungene Zusammenfassung -darum habe ich mir das Buch sogleich gegönnt! Einen (An)Satz möchte ich herausgreifen und euch gerne mitgeben: .“…“Machen sie, was sie wollen, doch machen sie es in vollem Bewusstsein!“. Behalten sie die Führung und bestimmen sie selbst ihren Weg. ….“ ( Kapitel 4. Die Lebenslust-Strategien /Seite 98)

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Als ich am Abend dann bei mir im Innenhof saß fühlte ich mich mit allen guten Geistern verbunden die sich auch prompt am Himmel zeigten………….!

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Solidarität von Herzen

 Heute widme ich den Eintrag mal wieder unserer Selbsthilfegruppe. Anlass ist, dass ich gestern als Patin einer Frau einen Scheck überreichen durfte. Aus dem Pool des Ameranger Frauenlaufs gehen fünf Schecks an Frauen, deren Lebenssituation sich durch die Brustkrebserkrankung erheblich verschlechtert hat und der Alltag oft nur schwer zu bewältigen ist. Nicht alle Frauen sind in einem Netzwerk aus Freunden, Familie, beruflicher oder finanzieller Absicherung  aufgefangen! Neben der finanziellen Unterstützung vermittelt der Scheck eben auch das: Solidarität, Mitgefühl und emotionale Unterstützung. Ein Dank an dieser Stelle an das Team vom Ameranger Frauenlauf und auch an all die Starterinnen. Heuer wars ja denkbar kalt und ein echtes Sauwetter – trotzdem waren viele da und machten mit. Eindrücke gibts über das Video auf deren HP ( in der rosa Rubrik links unten zu finden ):

  http://www.ameranger-frauenlauf.de/

Noch so eine Aktion die hier mal erwähnt werden muß ist:

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Herzkissen für Brustkrebs- Patientinnen

Diese Idee aus Amerika wurde vor mehreren Wochen von Marion Freude der Selbsthilfegruppe Brustkrebs Chiemgau vorgestellt . Frauen, die gerne Patchwork-Arbeiten machen –  „Patcherinnen“ genannt  – nähen ehrenamtlich Herzkissen für Brustkrebspatientinnen. Diese haben eine besondere Form – etwas längere „Ohren“ – und können nach der Operation unter die Achselhöhle geklemmt werden. Durch ein weiches Kissen unterm Arm kann der Druckschmerz der Narben in den Achselhöhlen verringert werden, so die Erfahrung verschiedener Brustkrebspatientinnen die schon in den Genuss eines Herzkissens gekommen sind.

Marion Freude hat bereits wunderschöne Kissen genäht und 16 Stück nun der Selbsthilfegruppe überlassen. Maria Klauser aus Erlstätt widmet sich dieser Aktion ebenfalls mit ganzem Herzen und zusammen mit Freundinnen, Nachbarinnen und ehemals betroffenen Frauen verwandelt sie ihre Nähstube nun regelmäßig in eine Herzkissen-Quiltwerkstatt. Jedes der Kissen ist ein Unikat und alle sehen wunderschön aus! Am 1. Patientinnentag des Brustkrebszentrums Traunstein wurden die Kissen erstmals vorgestellt . Künftig werden die Kissen bei Aktionstagen und Veranstaltungen, bei denen die Selbsthilfegruppe vertreten ist, angeboten.

Neben der körperlichen Entlastung sind diese Herzen vorallem auch ein Symbol des Mitgefühls! Betroffenen Frauen wird so vermittelt : „ da denkt jemand an Dich, wünscht dir Kraft und Mut und schickt Dir ein Herz voll Hoffnung“.

Spenden – sei es schöne Stoffe und Füllungen – kann die Selbsthilfegruppe jederzeit gebrauchen!

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heimat

Da ich beim Räumen und Ausmisten alte Pläne gefunden habe, kreisen meine Gedanken zwecks künstlerischer Umsetzung um den Begriff der Heimat. Ein zugegeben ziemlich strapazierter Begriff – denn  wie es halt so ist, wenn man seine Antennen auf Empfang und den Fokus eingestellt hat – dauernd gibts es links und Hinweise zum Thema. So wurde mir heut früh der Satz ins Ohr geflüstert : Heimat – das muß kein Land sein, das kann auch ein Freund sein. Zwei Stunden später rief meine Freundin an, sie sei soeben vom Besuch ihrer ehemaligen Wahl-Heimat zurück gekehrt in ihre alte, neue und wieder erfühlte   Heimat Bayern.  So oder so : immer geht es um Gefühle die verortet werden, um  Erinnerungen, Verbindungen. Und um Fundstücke! Gestern fand ich in der unmittelbaren Umgebung Hollerdolden – daraus gabs Kiacherl – , ebenso blühendes Johanniskraut – das Öl ist schon angesetzt –  und Mädesüß -daraus wurde eine Tinktur gebraut für meine müden Füße und Beine – eine Wohltat! – was sicher nicht nur an der Salicylsäure liegt, die darin enthalten ist ( die Knopsen vom Mädesüߠ sind die erste bekannte Quelle der Salicylsäure, aus der das Aspirin synthetisiert wurde), sondern auch am Duft und den damit verknüpften Erfahrungen und Erinnerungen.

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Das Bild, das ich zum Thema „Heimat“ hier einstelle, hat Ferdinand aufgenommen. Mit seinen sechs Jahren und einer gänzlich anderen Prespektive rückt er  meine alten-gewohnten Sichtweisen neu zurecht!

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Wie ein Wächter überblickt der „Giacco“  – ein Fundstück aus dem Chiemsee -ein Stück meiner neuen Heimat….

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Apropos Heimat: kennt jemand diese Staudenpflanze, die sich im Garten meiner Eltern sehr heimisch fühlt und sich dort zu mannshohen, rosa -violett blühenden  Rispen ausbildet ?

Wieda sowas zuagroasts, eigschleppts –  werden manche mutmaßen. Das kann schon sein, aber wenn man bedenkt was alles nicht heimisch war bei uns… abgesehen von Mais + Kartoffeln, Tulpen, Rosen und Obstbäumen… stellt sich da eher die Frage: was war den ursprünglich heimisch ?

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Konturen+Zitate

Liebes Leben

Liebes Leben, fang mich ein,
halt mich an die Erde.
Kann doch, was ich bin, nur sein,
wenn ich es auch werde.

Gib mir Tränen, gib mir Mut,
und von allem mehr.
Mach mich böse oder gut,
nur nie ungefähr.

Liebes Leben, abgemacht?
Darfst mir nicht verfliegen.
Hab noch soviel Mitternacht
sprachlos vor mir liegen.

Heute zitiere ich mal Konstantin Wecker, denn fast wäre er mir abhanden gekommen, der Mut und die Lust und die Dankbarkeit am Leben. Fast hätte ich mich verstrickt in kleinlichen Ungerechtigkeiten, in unwichtigen Nichtigkeiten die letztlich nur eines hervorzubringen vermögen : die Dramen des Alltags. Aber wie es sich dann fügt: das Leben schickt einem schon die richtigen Anrufer, Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen.

Irgendwie ist das heute ein „DaDa“ -Tag…  schräg und auf den ersten Blick nicht wirklich stimmig – doch, halt, für wen nicht stimmig? Nein, da bin ich jetzt nicht beeinflußt von der Bundespräsidentenwahl, der Tag fing schon so an! Vielleicht liegts daran, dass heute vor 90 Jahren die erste Dada-Messe stattfand. Die Künstler und Poeten um Hugo Ball hatten weder ein festes Konzept noch ein Programm. „Dada ist der Ekel vor der albernen verstandesmäßigen Erklärung der Welt,“ postulierte Arp. Statt Ekel würde ich mir öfters die notwendige Portion Humor wünschen….

„Sonne, Mond und Sterne bestehen noch – obwohl wir sie nicht mehr anbeten. Gibt es unsterbliche Kunst, so kann sie nicht daran sterben, daß der Kunstkult gestürzt wird„, schrieb Wieland herzfelde im  Dada-Messekatalog – vielleicht wirds Zeit dass auch ich meinen eigenen Anspruch an die Kunst , das Künstler-Dasein  stürtze….

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„….du bist nicht verpflichtet, deinem Leben (für andere Menschen ) erkennbare Konturen zu geben. Dein Leben darf auch ein Aquarell sein !…..“

…. diesen Satz hat mir kürzlich eine Freundin mitgegeben und so hadere ich nicht mehr damit, meinem Leben  eine weitere Facette hinzuzufügen……

Und – PS: die Locken sind auch wieder da!

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Rabe sein?

Ein Rabe sitzt im Wald auf einem Ast. Kommt ein zweiter Rabe vorbei und

fragt: "Was machst du denn da?"
"Nix, ich sitz nur da und schau blöd." "Klingt gut, das mach ich auch". Und
der zweite Rabe setzt sich neben den ersten auf den Ast.
Kurze Zeit später kommt ein Hase daher und sieht die beiden Raben. "Was
macht ihr denn da?"
"Nix, wir sitzen nur da und schauen blöd." "Das will ich auch probieren,"
sagt der Hase und hockt sich unter den Ast.
Es dauert nicht lange, da kommt ein Fuchs des Weges. Er sieht den Hasen und
die beiden Raben und fragt: "Was macht ihr denn da?" "Nix, wir sitzen nur da
und schauen blöd," erklärt ihm der Hase.
"Aha," meint der Fuchs und gesellt sich zum Hasen.
So hocken alle vier da, machen nix und schauen blöd, bis ein Jäger
vorbeikommt und den Fuchs und den Hasen erschießt.
"Siehst, was ich immer sag," meint der eine Rabe zum anderen, "nix tun und
blöd schauen geht nur in einer höheren Position."

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Da ich weder Rabe bin  noch Jäger und auch das Nixtun so gar nicht meine Sache ist habe ich

 ein paar Tage lang Gartenarbeit nachgeholt

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und mich in Tirol aufgehalten, u.a. wieder einmal im dortigen Völkerkundemuseum

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Die in der Sonderausstellung gezeigte „Textile Kunst aus Afrika“ ist für mich Synonym und Symbol für die Notwendigkeit von Netzwerkarbeit, sei es durch Organisationen wie Ediths „ekando kumer“  , oder unter Freunden, Frauen, Therapie-Kolleginnen, Hundetrainern, Künstlerkollegen.  Was wir spinnen, wie wir uns verweben, ist das , was uns trägt und hält. Ob die neu geschaffene Plattform http://www.aufbruch-bayern.de das auch hergibt ? Falls nicht ist es vielleicht ein Ausflug auf dem Narrenschiff….

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Fundus+Vorlieben

Da ich weder das Wetter noch den Regen ändern kann, mache ich das Beste draus und so pflanzte ich heute beispielsweise Rosen. Ich hielt fast 3 Stunden durch und kam durchweicht und frierend ( es hat unter 10 Grad!) und voller Erde und Schlamm ins Haus –  ich nix wie raus aus den Klamotten  und diese rein in die Waschmaschine – leider MIT dem Handy. Das ist jetzt hin, die Netzkarte meines Vertrags funktioniert aber noch. Nur sind leider alle Daten und viele Telefonnummern futsch! Darum wäre ich froh, wenn ihr euch bei mir meldet – meine Nummer hat sich nicht geändert, ein Notfall-Ersatzhandy aus der Kruschkiste,das so einigermaßen funktioniert, habe ich noch gefunden, darum meine Bitte: meldet Euch, per Anruf, SMS (Visitenkarte senden) oder per email.

Gestern waren die Wettergötter gnädiger: ein Spezial- Hundetraining führte Aisha und mich in Begleitung von Bernhard  ( Trainer der mobilen Hundeschule im Bereich Würzburg und z.Z. als Ausbilder-Assistent im Arbeitseinsatz  im Chiemgau) und seinem Odin in den Zoo nach Salzburg. Dort dürfen die Hunde mit rein ( nicht in die Häuser, aber im Freigelände), und es gab viel zu beobachten:

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Die Wölfe habe sehr auf Odin, einen stattlichen Retriever-Rüden, reagiert und ihn nicht aus den Augen gelassen.

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Ebenso die Katta-Lemuren. Sie kommen ursprünglich aus Madagaskar, sind tagaktiv und oft am Boden unterwegs. Eine Gruppe wird meist von einem dominanten Weibchen angeführt. Sie alle waren von unseren Hunden beeindruckt, blieben auf Sicherheitsabstand , ließen uns ebenfalls nicht aus den Augen.Jaguar und Tiger kamen uns dagegen sehr nah – nur der Käfigzaun und das Sicherheitsgrün von ca. einem Meter war zwischen uns und den Großkatzen. Aisha war zwar  angespannt und blieb auf Sicherheitsabstand, war ansonsten aber problemlos und führig. Ebenso bei den Gemsen, Steinböcken, Ziegen, Alpakas und Antilopen , die sie ignorierte. Lediglich die Mäuse, Ratten, Präriehunde und Zebramangusten versetzten sie in Aufregung, vorallem letztere, als diese sich heftig, laustark und sehr aggressiv um eine Melone stritten. Das sprang sofort auf beide Hunde über und sie verfolgten gebannt das quirlige Chaos.

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 Kapuzineraffen im Gegenlicht

Ich hatte auch Gelegenheit ein paar „Sekunden-Zeichnungen“ ins Skizzenbuch zu machen , von den Fischottern, Nashörnern und Kapuzineraffen (Bilder im blog folgen). Auf die mir oft schon selbst gestellte Frage, warum ich beim Zeichnen gerne im kleinen Format und mit dem Skizzenbuch arbeite, bekam ich heute im arte– Beitrag (Künstler hautnah) von Jan Voss eine gute Antwort: auch er fühlt sich wohl in kleinen (Bild)Räumen, denn die Intimität, die dabei entsteht und sich zeigt, ist wichtig. Tiere, die sich bewegen, die innehalten,dich anblicken, für Sekunden in Kontakt gehen, dann weiter ziehen, die so ambivalent da zum einen schwer fassbar zum anderen so präsent sind, zeichne ich seit Jahren immer wieder. Sie gehören zu meinem „Fundus der Vorlieben“ ,wie Jan Voss seine immer wieder kehrenden Zeichen und Piktogramme nennt.

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Listenhund Aisha

12. Juni – ein denkwürdiger Tag : meine Aisha hataishavornegrau.jpg    den einstündigen Wesenstest für Listenhunde Kat. II bestanden – ohne irgendwelche Auffälligkeiten oder Beanstandungen. Wie es dazu kam ? Nach einer Rivalität und einer klassischen Revierverteidigung ( unter Hunden, niemals gegen einen Menschen!) kam es zu einer Anzeige ,  ich würde angeblich zwei Kampfhunden im Zwinger halten. Nach der in Augenscheinnahme eines Polizeihundeführers wurde zumindest die Zwingerhaltung als umzäuntes, großes Grundstück und Bruni als Windhundmischling revidiert. Aisha wurde  „.. vom äußeren Erscheinungsbild einem Kampfhund bzw. einer Mischform hieraus und phänotypischen Einflüssen der Rasse PitBull Terrier sehr erkennbar…“ zugeordnet.  Als Hundebesitzer ist man dann automatisch in der Beweis – und Bringschuld. So war als erstes einmal ein Rassegutachten erforderlich. Ein staatlich berufener Gutachter aus Münchensah sich Aisha genau an und kam zu dem Schluß: „… phänotypisch und wesensmäßig deuten sehr wenige Merkmale auf einen Listenhund der Kategorie I. hin…“. Weder die Proportionen des Kopfes zum Fang(Maul/Schnauze), noch ihre Größe noch ihr Gewicht würden dies hergeben, eine enge Verwandschaft wurde ausgeschlossen und sie wurde einer Mischung aus Brasileiro, Alano – wegen des gestromten Fells-  und Jagdhund zugeordnet.Das bedeutete, dass ich sie behalten durfte – und zum Wesenstest anmeldete – denn der ist erforderlich bei Kat II- Hunden. Da so ein Test nicht ganz ohne ist und von einem Hund eine hohe Stresstoleranz, gute und deutliche Unterordnungsbereitschaft bei entsprechender Wesensstärke  – weder zu ängstlich noch zu selbstbewußt – und gleizeitiger Grundfreundlichkeit  erfordert, war Hundetraining angesagt – und zwar gleich mit beiden Hunden! Da stellte sich dann gleich schon mal heraus, dass „klein Bruni“ die informelle Rudelführerin war.


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links im Bild im Vergleich : links vorne Aisha, in der Mitte ein American Bulldog, hinten rechts ein Schäferhund

Doch zurück zum Test: im Tierheim München gings an bellenden, knurrenden, angriffslustigen Hunden vorbei, Aisha lieߠ sich auf nichts ein, wechselte die Seite. Beim Spiel mit anderen, ihr unbekannten Hunden – darunter ein echter Kat I. -Hund – zeigte sie sich eher unbeholfen. Bei lauten Fremdgeräuschen, bei fremden Menschen die sie bedrängen, hochheben, untersuchen, reizen, mit Futter locken, bei laufenden, lachenden Kindern u.s.w. blieb sie unterwürfig und beschwichtigend, auch später bei der „Vereinsamung“ – also ohne mein Beisein. Bei dem Test anwesend war die Prüferin mit Hund, ein Mann (ziemlich groß) mit kleinem Hund, drei ausgebildete Hundetrainer, die meiste Zeit ich und teilweise Bruni mit Didi, später ein , auch der Prüferin unbekanntes Paar mit Schäferhund. Die Wochen zuvor  waren immer wieder mal verschiedene Hundetrainer jeweils mit ihren Hunden auch bei uns zu Hause , gerade auch innerhalb des Reviers wurde ihr Verhalten getestet. In dieser ganzen Zeit haben uns die beiden Hundetrainer, Trainer-Ausbilder und Gründer von „Die  mobile Hundeschule“, Heinz und Gudrun Reif, mit Rat und Tat sowohl praktisch wie theoretisch und vorallem auch menschlich unterstützt und begleitet, auch bei dem behördlichen Aufwand und Chaos ! Ich und alle Familienmitglieder, die mit Aisha + Bruni zu tun haben, haben enorm viel dazu gelernt in dieser Zeit. Bisher war ich  Hundehalterin aus Passion und seit Kindheitstagen, war zufrieden mit meinen „Begleithunden“. Das hat sich grundlegend geändert! Jetzt weiß ich was es heißt „Rudelführer“ zu sein, was stressfrei und „alltagstauglich“ wirklich bedeutet, was der Unterschied ist zwischen Konditionierung und Ausbildung, zwischen „einen Hund haben“ und verantwortungsvoller, artgerechter Haltung. Darum gehen wir den nächsten Schritt an, gleich morgen gehts weiter  in Theorie + Praxis, wieder bei den Reifs und wieder im Austausch und mit Unterstützung der anderen Trainer- „Azubis“.

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Ach ja, und noch etwas: wer Fragen, Bedenken oder sonst etwas hat bezüglich meiner Hunde wende sich bitte direkt an mich! Denn: wer hinter meinem Rücken spricht redet mit meinem Arsch! ( welch ein genialer Satz von Luisas Mutter!!)

Hier noch ein paar interessante und lesenswerte links zum Thema:

http://www.chiemgauer-hundeschule.de

http://www.hundegutachten.com

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viel Welt und wenig Boden

Gestern wollte ich mir in einer Buchhandlung in Simbach am Inn einen Gedichtband von oder ein Buch über Hilde Domin kaufen. Natürlich war keins da, aber – keine der Buchhändlerinnen hatte jemals den Namen gehört oder geschrieben… das fand ich dann schon seltsam. Muß man Hilde Domin kennen ? Ich meine , man versäumt etwas wenn nicht! Das wurde mir klar als ich vor ein paar Tagen noch einmal die Möglichkeiten hatte, den Film „Ich will dich – Begegnungen mit Hilde Domin“ von Anna Ditges als DVD zu sehen. Ich habe auch versucht zu zeichnen, während des Film – aber die kleine, agile Schriftstellerin ist „schwer zu fassen“, zumindest im Bild. Im Film wird sie einem sehr nah, ihr Leben, ihr Allein sein – Erwin Walter Palm, ihr Ehemann, verstarb nach 57 gemeinsamen Ehejahren – aber auch ihre Kraft, ihre Eitelkeit – und ihre Worte, Prosa, die Gedichte, im Film so wunderbar vorgetragen von Katharina Thalbach. wikipedia schreibt über die berühmte Lyrikerin ( von mir etwas abgewandelt):

Hihildedomin2.jpglde Domin wurde 1909 in Köln in eine gutbürgerliche Familie hinein geboren. Nach der Schule besuchte sie die juristische Fakultät der UniHeidelberg  – der vater war Jurist und sich bezeichnet ihn als Freund, mit dem sie schon als Mädchen viel und offen diskutieren konnte, gerade auch juristische Fragen. Sie sei in großer Freiheit aufgewachsen und durfte für diese Zeit ungewöhnlich viel , beschreibt sie diese ihre Zeit der Kindheit.  An der Uni hatte sie mit Kommilitonen Mein Kampf gelesen und besaß die Weitsicht, dass „Hitler das, was er in ‚Mein Kampf‘ geschrieben hatte, auch ausführen würde.“ (Tauschwitz: Dass ich sein kann, wie ich bin. S. 52). Unmittelbar nach ihrer Rückkehr nach Heidelberg zum Sommersemester 1931 lernte sie den jüdischen Frankfurter Altphilologie- und Archäologiestudenten Erwin Walter Palm kennen und lieben. Die beiden wurden ein Paar und, seiner Italiensehnsucht nachgebend, begannen beide im Herbst 1932 ein Auslandsstudium in Rom. Hilde Domin studierte Jura, Philosophie und politische Wissenschaft, promovierte 1936 über Staatsgeschichte der Renaissance (Univ. Florenz).   Schon ab Februar 1934 richtete sich die italienische Rassenpolitik auch gegen Juden: Über Paris führte sie die Flucht nach England, dort unterrichtete Hilde Palm ein halbes Jahr lang als Sprachlehrerin am St. Aldwyn’s College. Angesichts der Kapitulation Frankreichs und des drohenden Blitzkriegs entschlossen sie sich zur Flucht aus England und so flohen sie am 26. Juni 1940 über Kanada in die Dominikanische Republik. Dort war Hilde Palm „eine großartige Sekretärin“: Sie übersetzte und tippte die Arbeiten ihres Mannes, dokumentierte seine Studien fotografisch und unterrichtete von 1948 bis 1952 Deutsch an der Universität von Santo Domingo.

Mit 37 Jahren begann sie mit ersten schriftstellerischen Tätigkeiten, der zunehmenden seelischen Vereinsamung und Entfremdung ihres Mannes setzte sie ihr Schreiben entgegen, das sie nach dem Tod ihrer Mutter, 1951, vor dem Selbstmord rettete. Sie war „eine Sterbende, die gegen das Sterben anschrieb“. 1954 kehrte sie nach 22 Jahren im Exil in die Bundesrepublik zurück, doch pendelte sie noch sieben Jahre zwischen Spanien und Deutschland hin und her. Erwin Walter Palm vervollkommnete seine ibero-amerikanischen Studien, Hilde Domin intensivierte ihre schriftstellerische Tätigkeit. In Miraflores de la Sierra machte sie die Bekanntschaft mit dem spanischen Dichter Vicente Aleixandre, der den Kontakt zur Literaturzeitschrift Caracola herstellte, in der Domin ihre Übersetzungen veröffentlichte. Ihr Pseudonym Domin  hatte sie  nach dem Namen ihrer Insel gewählt, wo sie ihr Dichterleben begann.

Domin empfand sich als „Gratwanderer“, mit viel Welt, aber wenig Boden unter den Füßen. Sie sah sich als spanische Autorin in deutscher Sprache, geprägt vom arabischen Erbe des Spanischen und damit Ungaretti verbunden, der sich vom Ägyptischen beeinflusst fühlte. In ihren späteren Gedichten ließ sie sich von der japanischen Kunsttheorie inspirieren und sah auch den Einfluss Hölderlins. Domin trug in Lesungen ihre Gedichte zweimal vor. Sie las in Gefängnissen, Schulen und Kirchen. In einem Interview 1986 wurde ihr die Frage gestellt, wie viel Mut ein Schriftsteller benötige:   „Ein Schriftsteller braucht drei Arten von Mut. Den er selber zu sein. Den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der anderen zu glauben.“

Am 22. Februar 2006 starb Hilde Domin in Heidelberg im Alter von 96 Jahren nach einer Operation nach einem Sturz.

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Wunsch……………………von Hilde Domin

Ich möchte von den Dingen die ich sehe
wie von dem Blitz
gespalten werden
Ich will nicht daß sie vorüberziehen
farblos bunte
sie schwimmen auf meiner Netzhaut
sie treiben vorbei
in die dunkle Stelle
am Ende der Erinnerung

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Aqua-Kultur + Koriander

 Gut dass wir im „Oberdorf“ wohnen und nicht am See – der Pegel steigt! Doch will ich nicht auch noch lamentieren ob des Regens – wer erinnert sich NICHT an verregnete Pfingsferien mit“Aqua – Camping“? Ich versuch das Beste draus zu machen, hänge die Teppiche raus und überlasse sie einer Regenspülung;auch die Zimmerpflanzen werden entstaubt und durchnässt. Die Wasserfässer sind voll und am Abend heizen wir den Holzofen an – bei unter 10 Grad wirds sonst schon  etwas klamm. Solange ich mein Hochbeet nicht auf Aqua-Kultur umstellen muß gehts ja noch…..schneckeninvasion.jpgZudem ringe ich gegen die Schneckeninvasion , denn selbst das Hochbeet wird erobert – und die ersten Blüten.  Wo die Pflanzen und Blumen unter Dach stehen  und einigermaßen geschützt sind, blühen sie auch üppig – so wie meine Clematis. Und dann natürlich in dem wunderbaren Blumenladen in Stephanskirchen bei Rosenheim. Letzten Sonntag habe ich mir zusammen mit einer Freundin als Schlecht-Wetter-Gegenprogramm einen Besuch der Gewürze-Ausstellung in Rosenheim gegönnt. Den Eintritt fanden wir mit 10,00 € schon ein bißerl teuer. Dafür gabs viel zu Schnuppern und Probieren und Rezepte zum Mitnehmen: „Zimtzicke“ heißt dann die Tomatensuppe, und  „Muskatkuss“ ein Gebäck. Die Landesgartenschau haben wir uns gespart, dafür beim Heimfahren besagten Blumenladen genossen und inspiziert. blumenladeneder4.jpg

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Dem Koriander taugt das Wetter offenbar und die Schnecken mögen das „Wanzenkraut“ wohl nicht. Was sind schon  Regen und Schnecken im Vergleich zu Pestiziden?! Besonders wenn ich höre dass Landesumweltministerin Silke Lautenschläger am Mittwoch darüber informierte, dass bei Stichproben auf dem Frankfurter Flughafen und in der Großmarkthalle  vorallem bei Bohnen, Gurken, Basilikum, Okra, Chili und Koriander  der EU-Grenzwert von Pestiziden um das bis zu 5.900-fache überschritten wurde -bei importierter Ware aus Indien, Thailand und Südamerika . Interessant die Antwort des Deutschen Fach- und Lebensmittelhandels, der beteuert, die Ware würde bei ihnen nicht verkauft und angeboten. Aha – ja, wo denn dann?

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links oben: Koriander, rechts oben: erste Ernte ( Mangold, Rucola, Oregano, Salbei, Spinat), links unten: Hochbeet-Allerlei, rechts unten: Clematis unterm Vordach

Noch mal zum Koriander: bei uns werden hauptsächlich die getrockneten Samenkörner verwendet, als Brotgewürz in erster Linie, aber auch in Soßen, Suppen und Eintöpfen. Von der Heilkraft der Krianderkörner waren bereits die Pharaonen überzeugt. Das Grün des „unangenehm wanzenähnlich riechenen Doldenblütlers“, auch „Wanzendill“ genannt  ( von griech. coris = Wanze) wird bei uns eher verschmät, in der Asiatischen, Indischen und  Afrikanischen Küche , in Portugal und auf den Kanaren jedoch vielfach verwendet. Das Grün enthält neben Vitamin C und Flavanoide auch fettes Öl, Proteine, Stärke, Zucker, Spuren organischer Säure auch Cumarine und Furanoisocumarine. Letztere kamen sehr als gesundheitsschädlich in Verruf. Eliane Zimmermann widmet sich dem Thema in ihrem blog ausführlich ( einfach in der SuchLeiste cumarine eingeben): http://blog.aromapraxis.de Ich jedenfalls mag den Geschmack und darum gibts heut Linsendhal mit…Koriandergrün…!.

Cadavre Exquis !

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Fast schon surreal, so viel Regen ! Was tun wenn selbst die Hunde nicht mehr raus wollen und meine beiden Besucher Martin (7 Jahre) und Michael ( 9 Jahre) für jede kreative Idee zu haben sind :Cadavre Exquis!Wir hatten einen unglaublichen Spaß daran!

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Cadavre Exquis bezeichnet eine im Surrealismus entwickelte spielerische Methode, dem Zufall bei der Entstehung von Bildern Raum zu geben.Er bildet eine Art visuelles Gegenstück zur écriture automatique (automatisches Schreiben), denn auch mit dem Cadavre Exquis entstehen überraschende Botschaften.Definition von André Breton:

CADAVRE EXQUIS – Spiel mit gefaltetem Papier, in dem es darum geht, einen Satz oder eine Zeichnung durch mehrere Personen konstruieren zu lassen, ohne dass ein Mitspieler von der jeweils vorhergehenden Mitarbeit Kenntnis erlangen kann. …

 

Breton betont des Weiteren, dass man im Cadavre exquis über ein unfehlbares Mittel verfüge, das kritische Denken auszuschalten und der metaphorischen Fähigkeit des Geistes freie Bahn zu verschaffen. Übertragen auf Zeichnungen ginge das so: Mehrere Personen zeichnen einen Körper; die erste zum Beispiel den Kopf, die zweite Oberkörper und Arme, die dritte den Unterleib, die vierte die Beine, die letzte die Füße. Damit keine sieht, was die andere tut, wird nach dem Zeichnen jeweils das Papier gefaltet, nur die Ansätze für den nächsten Abschnitt sind sichtbar. Wird das fertige Bild ausgebreitet, so erscheint ein surreales, skurriles Körperbild, eine Art kollektive Collage. Das Cadavre Exquis wurde im Oktober 1927 in der Surrealistenzeitschrift La Révolution surréaliste vorgestellt…. aus wikipedia!

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